„Musik schwingt in Bachmanns Sprache mit“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Roman Seeliger, Kabarettist _ Wien 17.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Roman Seeliger

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Im Interview _ Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist

Lieber Roman Seeliger, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ingeborg Bachmann wollte ursprünglich Komponistin werden, und so schwingt die Musik in manchem ihrer Werke mit oder rückt zum Teil sogar in den Fokus ihrer Betrachtungen. Schon als jungen Pianisten haben mich ihre Fragen aufgerüttelt: „Was aber ist Musik?“ „Was hat dich so gebeugt und was hat dich so erhoben?“ „Was ist es?! Gib Antwort! – ‚Still!'“

Die Musiktheorie, sei es die Harmonielehre, sei es die Formenlehre, sind meines Erachtens nur analytische „Kochrezepte“, können aber das Mysterium der Musik nicht zur Gänze erklären. Musik und ihre Wirkungen bleiben ein wundersames Geheimnis. Ingeborg Bachmann hat mir das durch einen ihrer Essays sprachlich verdeutlicht.

Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _
Romanschauplatz Malina Wien _
Walter Pobaschnig 1/26, folgende _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Für mich waren ihre symbolhaften sprachlichen Bilder prägend. Manche Sätze aus dem Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ haben mich im Deutschunterricht angeregt, sie weiterzudenken. Ich konnte mich der Magie ihres sprachlichen Ausdrucks nicht entziehen. „DU KANNST ES NICHT HALT!“ Auch die Sinnlosigkeit der Anhäufung von Gütern in unserem Leben wurde mir durch Bachmann stärker bewusst. Zumindest habe ich in diesem Hörspiel die Stimmen ohne Timbre (die daher in Blockbuchstaben und ohne Punkt und Beistrich geschrieben sind) als Gymnasiast so gedeutet: „GEHEN BEI GRÜNEM LICHT WEITERGEHEN – DENK DARAN SOLANGE ES ZEIT IST – DU KANNST ES NICHT MIT DIR NEHMEN“.

Außerdem berührte mich ihre Erkenntnis, dass es Grenzen der Sprache gibt, obwohl die Sprache möglicherweise unser bestes  Kommunikationsmittel ist. Hier gibt es für mich eine Parallele zu Wittgenstein. „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ ist ja der berühmte Satz aus dem „Tractatus logico-philosophicus“. Vielleicht fängt die Musik (oder eine andere Kunstrichtung) an, wenn wir im Wittgenstein’schen Sinn schweigen müssen. Ob die Bachmann das so verstanden hat?



Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Wie gesagt, ihre Essays über die Musik und ihr Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“.



Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Bachmann war eine Kämpferin für die Gleichberechtigung der Frau. Seit der Zeit ihres Wirkens sind die Rechte der Frau in den Gesetzen und in der Praxis deutlich gestärkt worden. Mich würde interessieren, welchen Weg sie vorschlagen würde, um heute eine völlige Gleichstellung zu erwirken.



Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Derzeit spiele ich meine schwarze musikalische Komödie „Veto gegen Keto“ in Wien, Niederösterreich und Oberösterreich.

Unter dem Motto „Kulinarische Diäten und musikalische Leckerbissen“ stelle ich die Fragen: Wie wird man alt? Mit Sport? Mit Verzicht? Mit einer Keto-Diät, die Kohlenhydrate verteufelt?

Es ist eine Kabarett-&Klaviershow über den ewigen Traum vom langen Leben. Ich schlüpfe in die Rollen unterschiedlicher Persönlichkeiten, die sich mit der Frage herumschlagen, ob maßvoller Genuss vielleicht die bessere Strategie ist als grenzenloser Verzicht.

Sowohl als Komödiant als auch als Jurist ist mir klar, dass ich jede Haftung für ein Leben bis 100 und darüber hinaus ausschließen muss, um das Thema unterhaltsam, satirisch und mehrdeutig verarbeiten zu können. In einer musikalischen Nummer präsentiere ich mich daher als Dummy, der Wahrheiten, die kaum jemand hören möchte, in die schonende Watte eines Harlekins packt („Dem Hofnarren wird niemand grollen, wo’s doch nur hat ein Spaß sein sollen. Ich kann sagen, was ich mag, ich hafte nicht, was ich auch sag‘.“).

Mein Ziel ist es also, das Publikum musikalisch, humoristisch und dramaturgisch zu überraschen. Wie sagen wir Künstler:innen, wenn uns jemand „Toi, toi, toi“ wünscht? Es wird schon schief gehen.


Termine:

Theater Center Forum
1090 Wien, Porzellangasse 50
Donnerstag, 12.2.2026, 20:00 Uhr
Donnerstag, 19.2.2026, 20:00 Uhr
Karten (28 Euro) unter +43 1 3104646 oder kassa@theatercenterforum.com


Haus der Kunst
2500 Baden, Kaiser Franz-Ring 7
Sonntag, 12.4.2026, 11:00 Uhr (Matinee)
Karten (25 Euro) unter +43 699 12345054 oder romanspianobar@gmx.at


Hotel Austria (Museum der Stadt Bad Ischl)
4820 Bad Ischl, Esplanade 10
Samstag, 1.8.2026, 15:00 Uhr (Nachmittagsvorstellung)
Karten (15 Euro, Museumsbesuch inkludiert) unter +43 6132 25476 oder
info@stadtmuseum.at

Herzlichen Dank für das Interview!

Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _
Romanschauplatz Malina Wien _
Walter Pobaschnig 1/26, folgende _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _
Romanschauplatz Malina Wien _
Walter Pobaschnig 1/26_
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

Vielen Dank für die freundliche Kooperation an „Teppiche Tarani“ und „Timmy`s cut“ _ Ungargasse, Wien 1030.

Walter Pobaschnig, 27.1.2026

https://literaturoutdoors.com



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