„in einer Welt toxischer Führer ist Bachmann aktueller denn je“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Michael Stavaric, Schriftsteller _ Wien 13.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Michael Stavarič

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Bocca de Leone, um 1970

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Michael Stavarič, Schriftsteller

Lieber Michael, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns

Bachmann war eine meiner Lieblingslektüren in der Schule. Vor allem die Art und Weise ihrer Metaphorik hat mich damals begeistert. Stichwort: … und dein Kleid, glockig und blau.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Mit Bachmann kann man vortrefflich die Lyrik für sich entdecken, sie ist für mich im besten Sinne des Wortes die genialste Einstiegslektüre in die Welt der Poesie.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Eigentlich nicht, denn von Bachmann sollte jeder alles gelesen haben. Eines meiner Lieblingsgedichte ist nach wie vor: An die Sonne

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Diese ist aktueller denn je – in einer Welt, die fast nur noch von toxischen Führern geprägt scheint.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Das Leben ist das, was man selbst allein daraus gemacht hat, nicht mehr und auch nicht weniger. Aber unsere Gesellschaften und politische Entscheidungsträger sind nicht gerade kunstaffin. Das Schreiben ist ein Weg voller Widerstände.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

 Ich hätte gern mal zusammen mit ihr ein Gedicht geschrieben. Und sie gebeten, das Rauchen sein zu lassen.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

 Ich habe mit den Arbeiten am nächsten Roman begonnen, doch der Weg ist noch sehr lang. Ich hoffe, ich bekomme dabei auch wieder Lust, Gedichte zu schreiben.

Herzlichen Dank für das Interview!

Michael Stavarič, Schriftsteller

Aktueller Roman: Michael Stavarič: Die Schattenfängerin
Roman. Luchterhand, München 2025.
288 Seiten, € 24 (D) / € 24,70 (A).

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze.

Foto: Michael Stavarič: Yves Noir

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com

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