„Walküre“ Daniel Zipfel. Roman. Leykam Verlag.

2015. Ein heißer Sommer – nach dem nichts wie vorher war. Emotionale politische Debatten prägen Europa angesichts der dramatischen Fluchtbewegungen, besonders aus den Krisengebieten Syrien, Afghanistan, Irak. Rund 90 000 Flüchtende suchen in diesem Jahr in Österreich um Asyl an. Große Hilfsbereitschaft und Engagement in gesellschaftlichen Institutionen wie der Zivilgesellschaft und auch Polarisierung prägen einen politisch heißen Herbst – „Wir schaffen das“.

In diesem Jahr der großen Herausforderungen, Taten, Diskussionen und Veränderungen setzt der neue Roman des Wiener Autors und Juristen Daniel Zipfel, der in der Asylrechtsberatung tätig ist, an. Sein gleichsam alter ego und Protagonist Benjamin Weiß muss sich dabei zunächst einer Lebensbewegung der besonderen und doch so alltäglichen Art stellen – die Oma, stolze neunundachtzig Jahre, lebt in Deutschland, aber jetzt soll ein Umzug nach Wien und damit die Nähe von Angehörigen Sorgen erleichtern und Sicherheit geben.  Aber Oma will nicht recht, das gewohnte Umfeld, das liebevoll grantige Miteinander vor Ort, fehlt schon in den ersten Gesprächen. Aber der Enkel macht sich samt widerspenstiger Oma auf den Weg nach Wien.

Auf einen Weg, auf dem sie nicht alleine sind. Die Fluchtbewegung führt Menschen aus Kriegs-, Krisengebieten nach Europa, Österreich, Deutschland und diesen begegnen Oma und Enkel am Weg in Blicken aus dem Autofenster. Nah und fern zugleich.

Angekommen in Wien wartet auf Benjamin Weiß, Jurist in einer Beratungsstelle für Geflüchtete, der Fall eines syrischen Flüchtlings, dem auch Kriegsverbrechen zur Last gelegt werden. Wie jetzt vorgehen? Die Fragen im Kopf kreisen. Erinnerungen kreisen auch im Kopf der Oma, angekommen in der neuen und doch alten Umgebung in Wien, kommt die Erinnerung an den Krieg zurück und all das Vergessene im Dunkel von Gewalt und Tod, das sich nun meldet. Benjamin Weiß steht nun mitten und zwischen familiärer Geschichte in allen Abgründen von Zeit und Schuld wie der Gegenwart eines Bürgerkriegslandes. Wie nun Verantwortung und Konsequenz da und dort persönlich wahrnehmen? Was ist zu tun, muss getan werden? Alles ist nun unmittelbar. Drängend und herausfordernd. Und Benjamin Weiß sucht seinen Weg der Entscheidungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart…

Daniel Zipfel legt einen Roman zur Zeit vor, welcher die Fragen von Krieg und persönlicher Positionierung wie Aufarbeitung in einem beeindruckenden literarischen Panorama der Aus-, Weiterwirkungen von Gewalt und Verbrechen spannend wie in vielfacher Perspektive thematisiert. Der Autor versteht es einzigartig Mikro.- und Makrogeschichte in einem lebensnahen Plot zu verweben und situativ zu verdichten wie gesellschaftlich einzuordnen.

„Ein großartiger mitreißender Roman über Krieg, Gewalt einst und heute wie Erinnerung und Verantwortung als Aufgabe von Generationen!“

„Walküre“ Daniel Zipfel. Roman. Leykam Verlag.

Gebunden mit Lesebändchen, 256 Seiten

ISBN   978-3-7011-8395-1

€ 25,50

Walter Pobaschnig 2/26

https://literaturoutdoors.com

Hinterlasse einen Kommentar