„genauer hinsehen, was wirklich gebraucht wird“ Eva-Maria Anja Daniela Grothues, Autorin _ Münster/D 21.1.2026

Liebe Eva-Maria, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe morgens um 5 Uhr auf und mache mich in Ruhe fertig, das ist mir wichtig, weil ich es nicht mag, morgens Stress zu haben. Ich mache mir auch immer leckeres Essen für meinen Arbeitstag zurecht und 15-20 Minuten Kraftübungen und Dehnen sind auch Teil meines Morgenrituals.
Um 6.50Uhr fahre ich los zur Arbeit und um 7.40Uhr beginne ich mit meinen Therapiesitzungen, meist 10 am Tag mit zwei Pausen dazwischen. In den Pausen spreche ich mit meinen Kollegen, esse was, mache Schreibkram, telefoniere mit Patienten oder lege mich auch mal in der Pause auf die Couch in meinem Büro. Abends komme ich nach Hause und werde von meinem tollen Ehemann bekocht. Ich darf mir da jeden Tag etwas wünschen, das ist wirklich ein sehr großer Luxus 🙂 Beim Essen sprechen wir über den Tag und alles, was uns beschäftigt und danach machen wir meist noch irgendwelche kleineren Dinge, die anstehen, z.B. Post fertigmachen, Dinge planen, Wäsche waschen etc. oder gehen im Sommer noch spazieren, dann ist es meist schon 20Uhr und den Rest des Abends verbringen wir dann meist gemeinsam auf der Couch oder vor dem Kamin und gehen spätestens um 22Uhr ins Bett, damit wir morgens fit sind. Zwischendurch treffen wir auch abends noch Freunde. Zweimal pro Woche gehen wir abends noch zusammen ins Fitnessstudio und alle 14 Tage zum Tanzkurs. Am Wochenende habe ich immer einiges an Schreibkram zu erledigen und schreibe an meinen Büchern, während mein Mann den Großteil des Haushalts macht. Zudem treffen wir uns mit Freunden, kochen, gehen gerne spazieren oder auch shoppen und machen zwischendurch auch gerne mal ein Schläfchen auf der Couch :).

Eva-Maria Anja Daniela Grothues, Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen immer kränker und gestresster werden. Sowohl körperliche Erkrankungen wie Adipositas, Krebs, Herz- Kreislauferkrankungen, Schmerzsyndrome, Darmerkrankungen, rheumatische Erkrankungen und viele weitere, sowie psychische Erkrankungen und extreme Verhaltensweisen wie Aggressionen, Süchte und Kriminalität, haben in den letzten 20 Jahren extrem zugenommen und es ist kein Ende in Sicht. Wichtig ist in diesen Zeiten vor allem, dass wir lernen, genauer hinzusehen, was wirklich gebraucht wird, sowohl in unserem eigenen Leben als auch im größeren Rahmen, um dem entgegenzuwirken. Viele von uns leben ihr Leben nicht so, wie unser Körper und unsere Psyche es brauchen. Wir stressen und sorgen uns zu sehr wegen Dingen, haben keine gute Selbstfürsorge, haben schlechte Verhaltensmuster und unterhalten Gedankenschleifen, die uns belasten. Häufig wissen wir über Jahre, was wir in unserem Leben ändern sollten, und tun es nicht oder trauen uns nicht.
Wir sehnen uns nach Klarheit, Sicherheit, Frieden, Ruhe, Verlässlichkeit, Liebe, Nähe, Zufriedenheit, Wertschätzung und Anerkennung, wissen aber häufig nicht, wie wir das bekommen können. Viele von uns werden noch viel zu sehr von ihren destruktiven Anteilen gesteuert und wir merken es oft nicht einmal bewusst, sondern sehen es als normal an. Ich habe begonnen, zu schreiben, um Menschen dabei zu unterstützen, sich selbst besser zu verstehen und ihr Leben so verändern zu können, wie sie es brauchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wichtig ist es nun für unsere Gesellschaft und für jeden einzelnen, viel sensitiver zu werden, mehr zu reflektieren, Dinge wirklich in Frage zu stellen und herauszufinden, welche Veränderungen wir in unserem eigenen Leben als auch auf globalerer Ebene brauchen. Zum Beispiel müssten wir unser Erziehungs- und Schulsystem komplett verändern und Kinder müssten sowohl durch ihre Eltern als auch durch jeden Lehrer alles lernen, was im Leben wirklich wichtig ist, um psychisch und körperlich gesund zu bleiben: ein adäquater Umgang mit Gefühlen, z.B. Trauer, Verlust, Liebeskummer, Leistungsdruck, Angst oder Ärger / Wut, der Aufbau einer sehr guten Selbstfürsorge mit guter Ernährung, ausreichend Schlaf und sehr guter Stressbewältigung, das Erlernen von sehr guten kommunikativen Fähigkeiten, ein sehr guter und liebevoller Umgang mit anderen Menschen, die Lösung von Konflikten, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, die adäquate Aufarbeitung schmerzhafter Erfahrungen, immer ehrlich und aufrichtig zu sein, gerne zu arbeiten, fleißig zu sein und etwas zu einer guten Entwicklung unserer Gesellschaft beizutragen, nicht gierig zu sein, sich nicht ständig zu vergleichen, nicht oberflächlich zu sein, sich selbst zu lieben und wertzuschätzen und vieles mehr. Auch jeder Erwachsene sollte das alles lernen, sofern es noch gebraucht wird. Wenn diese Dinge von Anfang an, sowie auch im Laufe unseres Lebens ein wichtiger Schwerpunkt in unserem Leben wären, würde es uns allen viel viel besser gehen und es gäbe kein überlastetes Gesundheits- und Sozialsystem, viel weniger Kriminalität und keine langen Wartezeiten auf Psychotherapieplätze.

Die Literatur und Kunst sind wichtige Medien, um Menschen bei all diesen Dingen zu unterstützen. Bücher, die uns innerlich stärken und unterstützen, können einen wahrer Schatz in unserem Leben sein. Sie können uns Kraft geben, uns weiterzuentwickeln, unsere Probleme anzugehen und unser Leben zu verändern. Wir werden in nächster Zeit mehr Bücher brauchen, die jeden Einzelnen, aber auch die Gesellschaft voranbringen. Literatur inspiriert und berührt uns, deshalb liebe ich es, wenn Autoren und Autorinnen auf eine Art und Weise schreiben, die Menschen aufweckt, ihnen neue Wege aufzeigt und Kraft gibt.

Was liest Du derzeit?

Gerichtsakten und Untersuchungsberichte zum Schreiben meiner neuropsychologischen Gutachten und ansonsten nutze ich meine freie Zeit momentan lieber zum Schreiben meines nächsten Buches als dafür, selbst zu lesen 🙂

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die beiden ersten Zitate aus meinem Buch „Engelchen und Teufelchen“

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir in dieser Welt wünschst“

Arleen Lorrance

„Das wahre Wissen kommt von Herzen“

Leonardo Da Vinci

Vielen Dank für das Interview, liebe Eva-Maria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen: Eva-Maria Anja Daniela Grothues, Autorin

Zur Person/über mich: Eva-Maria Anja Daniela Grothues wurde 1986 in Oberfranken geboren, wo sie mit ihren zwei älteren Geschwistern aufwuchs. Seit einem schweren Unfall im Alter von 16 Jahren sitzt sie im Rollstuhl. Die frühe Auseinandersetzung mit einem derart belastenden Lebensereignis führte sie zu dem Entschluss, in Bochum Psychologie zu studieren, wo sie auch ihre Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin abschloss. Seit 2016 ist sie gemeinsam mit anderen Fachärzten und Fachärztinnen für Neurologie, Psychotherapie und Psychiatrie und zwei weiteren Psychologischen Psychotherapeuten im Neurologisch-Psychotherapeutischen Zentrum Ruhr (NPTZ Ruhr) in Herne tätig. Neben ihrer psychotherapeutischen Arbeit ist sie als Zusatzgutachterin für Sozialgerichte tätig und arbeitet an einer Dissertation, die sich mit dem Einfluss gewalthaltiger Medien auf die Suizidbereitschaft befasst. Ihre berufliche Tätigkeit und persönliche Erfahrungen motivieren sie, Bücher zu schreiben, die Menschen unterstützen, ein selbstbewusstes und erfülltes Leben zu führen. Mit ihrem fundierten psychologischen Wissen und ihrer Fähigkeit, schwierige Themen verständlich und praxisnah zu vermitteln, möchte Eva-Maria Anja Daniela Grothues Menschen dazu inspirieren, ihr Leben nachhaltig zu verändern. Sie lebt mit ihrem Ehemann im Münsterland.

Aktuelles Buch von Eva-Maria Anja Daniela Grothues:

Foto: privat

20.1.2026_Interview_Walter Pobaschnig

https://literaturoutdoors.com

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