
2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann
Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Felix Kucher, Schriftsteller
Lieber Felix, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Viele unterschiedliche in verschiedenen Lebensabschnitten. Da waren zuerst – noch zu Schulzeiten – die Gedichte, später die Lektüre von Malina (das für mich als 20jähriger natürlich ein völlig anderes Buch war als 30 Jahre später).
Dann die Erzählungen, als Klagenfurter kommt man ja nicht um „Drei Wege zum See“ und „Jugend in einer österreichischen Stadt“ herum; viel später habe ich auch die anderen Erzählungen und vor allem ihre Hörspiele gelesen, dann auch gelungene und weniger gelungene Dramatisierungen ihrer Prosawerke auf verschiedenen Bühnen gesehen. Erst im letzten Jahr (2025) bin ich auf ihre Frankfurter Poetik-Vorlesungen gestoßen.

vor den Rosenhügel Filmstudios Wien _
Bezugspunkt zu seinem aktuellen Roman „Von Stufe zu Stufe“, Picus Verlag 2025 _
Walter Pobaschnig 2/25, folgende.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Schwer zu sagen, ich bin kein Literaturwissenschaftler. Bachmann ist Lyrikerin, Dramatikerin, Autorin von Prosa und jemand, der über Literatur und Philosophie mit einem enormen Hintergrundwissen reflektiert. Ich bewundere, wie sie alle diese Genres beherrscht und zugleich deren Konventionen auf ihre Art Konventionen bricht.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Die oben genannten Frankfurter Vorlesungen, vor allem „Warum schreiben? Wozu?“ und „Über Namen“.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Obwohl gerade ihre Gesellschafts- und Patriarchatskritik natürlich klar die Patina ihrer Entstehungszeit aufweisen, sind ihre Kernanliegen nach wie vor aktuell.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Natürlich, Himmel, Hölle und Fegefeuer in einem.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
–
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich arbeite am nächsten Roman, wie immer ist es ein Seiltanz. Ich hoffe, dass es was wird.
Herzlichen Dank für das Interview!

Aktueller Roman von Felix Kucher: „Von Stufe zu Stufe“, Picus Verlag 2025 _ darin die reiche wie spannende Wiener Filmgeschichte im Mittelpunkt steht. https://literaturoutdoors.com/2025/04/17/von-stufe-zu-stufe-felix-kucher-roman-picus-verlag/
Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
Fotos: Felix Kucher: Walter Pobaschnig 2/25
Walter Pobaschnig 1/26