
2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann
Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

um 1971
Im Interview _ Sabine Burkhardt, Schriftstellerin _ Schwabach/D
Liebe Sabine, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Natürlich ihre Gedichte, zuallererst und immer wieder zu ganz anderen Zeiten. Schule, Literaturkurs, Schauspielschule, Universität. Immer mal wieder ploppten auch ihre Lebensgefährten/Freunde im Zusammenhang mit ihr auf: Paul Celan, Max Frisch, Hans Werner Henze, und überhaupt viele Geschichten um sie herum.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Da steckt für mich Philosophie, ein tiefes Nachdenken über die Welt, manchmal über sich, über Religion, die Gesellschaft und Macht, Krieg, Verbrechen und Schuld drin. Eine Menge also.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
GEDICHTE: Hinter der Wand, Paris, Die gestundete Zeit, Früher Mittag, Im Gewitter der Rosen, Anrufung des Großen Bären, Nebelland, Harlem, Reklame, Exil, Böhmen liegt am Meer, Keine Delikatessen
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
„Und die Krankheit, die Folter darin und die Krankheit der Welt und die Krankheit dieser Person, ist die Krankheit unserer Zeit für mich“, sagt Ingeborg Bachmann über ihren Roman Malina. Wenn man bedenkt, dass ihr Schreiben sich intensiv mit der Zeit der Nationalsozialisten in ihrer Heimat beschäftigte, ist mit der Krankheit der (patriarchalen) Welt sicher auch der Militarismus gemeint, die Macht, die sich in Kriegen, Zerstörung auch in der Mann-Frau (Mensch-Mensch)-Beziehung zeigt. Es droht aus heutiger Sicht, eine Rückwärtsbewegung.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Hier kann ich nur für mich persönlich sprechen, die ohne das Schreiben das größere Martyrium sieht. Eine Art von Regulation und Erhebung in andere Gefilde (um einmal dieses poetische Wort zu gebrauchen) bedeutet mir das Schreiben. Doch keinesfalls ist mein Schreiben so intensiv in Dauer und Umfang wie das ihre. Ihre Wahrnehmung steht für sich.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Singst du gern, Ingeborg? Die Melodie in deinen Vorträgen, in deinen Gedichten und deiner Sprache, das Schreiben von Libretti, das ist eigenwillige Musik. So würde mich deine Singstimme interessieren.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich freue mich auf den privaten Druck von: STADTPOETINNEN VICE VERSA SCHWABACH WIEN. 2022 und 2023,entstanden zusammen mit der Wiener Poetin Brigitta Hoepler. Wir besuchten uns gegenseitig, lasen jeweils die Stadt der anderen auf poetische Weise und machten gemeinsame Schreibübungen im öffentlichen Raum. Wir taten das absichtslos und offen. Es wirkt noch lange nach.
Für 2026 werde ich an dem Kunstwandler-Projekt teilnehmen, das später im Jahr (Kulturlokal Fürth) präsentiert wird. Hierfür werden Künstler aus verschiedenen Sparten in Teams gelost, die dann kreativ aufeinander reagieren: https://www.projekt-kunstwandler.de/
Herzlichen Dank für das Interview!

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
Foto: Sabine Burkhardt: Iwona Lompart
Walter Pobaschnig 1/26