
2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann
Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Rom um 1971
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_
Im Interview _ Susanne Rasser, Schriftstellerin, Fotografin
Liebe Susanne, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Bachmann’s Texte habe ich verschlungen. Die lyrischen Arbeiten genauso wie die Romane. Räume haben sich dadurch erschlossen. Welten galt es zu entdecken. Welten, mit einer sehr eigenständigen, fraulichen, selbst-bewussten Sichtweise / Stimme. Mich hat ja auch die Stimme der Bachmann berührt. Und ihr Privatleben fand ich ebenso interessant. Vielleicht auch, weil ich den Geburtstag mit ihr teile.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Diese Eigenständigkeit. Der klare Blick. Diese Grundhaltung des Bei-sich-Seins. In ihren Gedichten fand Bachmann zu einem „Klang“, den ich so nie wieder „hörte“. Eindringlich. Bestimmt. Musikalisch. Und in den Bildern sehr einfach. Im Sinne von edel.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Nach dieser Sintflut
möchte ich die Taube,
und nichts als die Taube,
noch einmal gerettet sehn.
Ich ginge ja unter in diesem Meer!
flög’ sie nicht aus,
brächte sie nicht
in letzter Stunde das Blatt.
(Anm: „Nach dieser Sintflut“ Ingeborg Bachmann, 1957)
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Das Angehen gegen das Patriachat ist mir in Bachmann’s Werken nicht so sehr ins Auge gesprungen. Vielleicht, weil ich danach nicht Ausschau gehalten habe.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Dass manche Künstler und die Literaten um ihre Kunst und Literatur immer so ein Theater machen müssen.
Ob das Schreiben ein Martyrium ist? Also, für mich nicht. Schreiben hat für mich etwas mit Befreiung, mit dem Aufzeigen und manchmal auch mit dem Aufbegehren zu tun. Und mit dem Einstehen für sich und andere.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Danke.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ein neues Theaterstück. Und ein etwas älteres Theaterstück noch einmal neu bearbeiten.
Herzlichen Dank für das Interview!
Herzlichen Dank!

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
Foto: Susanne Rasser _ privat.
Walter Pobaschnig 1_26