„über das Vertraute hinauszuwagen“ Margit Gruber, Musikerin _ Wien 30.10.2025

Liebe Margit, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Als selbstständige Musikerin sieht es bei mir jeden Tag anders aus, da es stark davon abhängt, ob ich ein Konzert am Abend spiele, Mails beantworte und Meetings abhalte oder einen Tag im Studio verbringe. Eine Routine morgens ist mir deswegen am Wichtigsten, da es mir in meinem abwechslungsreichen und spannenden Leben Halt gibt.

Margit Gruber _ Künstlerinname: „Margit Gruba“ _
freischaffende Geigerin und Komponistin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich würde mir niemals anmaßen, für alle zu sprechen. Doch für mich kann ich sagen, was wesentlich ist: Ruhe, als Gegenpol zur ständigen Bewegung; Ausgewogenheit, als Zustand zwischen Tun und Lassen; und Ablenkung, als Einladung, das Unerwartete zuzulassen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Aufbruch, Umbruch, Neubeginn – wie auch immer man es nennt – ist für mich der Moment, in dem Mut entstehen kann: die Bereitschaft, Chancen zu ergreifen und sich über das Vertraute hinauszuwagen.

Für mich als Musikerin und Künstlerin bedeutet es, unbewanderte Lösungen zu suchen und die Neugier immer wieder neu zu entdecken.

In diesem Prozess wird Kunst zum Spiegel des Lebens – ein Raum, in dem Wachstum möglich ist. So werden Musik und Kunst für mich zu Werkzeugen des Menschseins – die uns erinnern, wer wir sind und wer wir werden können.

Was liest du derzeit?

Von Annie Ernaux “Die leeren Schränke”.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

Eine Redewendung aus dem österreichischen Sprachraum, die mich schon mein ganzes Leben begleitet: “Schaun ma moi, dann seng mas scho”.

Vielen Dank für das Interview, liebe Margit, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Margit Gruber _ Künstlerinname: „Margit Gruba“ _
freischaffende Geigerin und Komponistin

Zur Person/über mich: Margit Gruber, 1995 in Steyr (Oberösterreich) geboren, fand früh zur Musik und Lehrerinnen, die ihr technisches Können ebenso förderten wie ihr musikalisches Gespür. Mit 14 Jahren wurde sie an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz aufgenommen, später setzte sie ihre Ausbildung am Mozarteum Salzburg fort. Auf der Suche nach größerer klanglicher Freiheit entdeckte sie den Jazz für sich und studierte parallel Jazz und Improvisierte Musik an der Anton Bruckner Privatuniversität, wo sie 2021 mit Auszeichnung abschloss.

Heute ist sie als freischaffende Geigerin und Komponistin Margit Gruba tätig – u. a. am Burgtheater Wien und bei folkshilfe unplugged. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Klassik, Jazz und Improvisation. Veröffentlichungen wie 12 verrückte Träume (AureaVox) zeigen ihre Handschrift geprägt von musikalischer Freiheit, die Vielschichtigkeit hervorbringt, dem Menschsein Ausdruck verleiht und die Extreme der Emotionalität in all ihren Facetten auslotet.

https://www.margitgruba.com/

Foto: Philipp Hirtenlehner

Walter Pobaschnig 28/10/25

https://literaturoutdoors.com

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