„den Glauben an diese so anstrengende wie wundervolle Demokratie erhalten“ Klaus Brinkbäumer, Autor _ Leipzig 11.9.2025

Lieber Klaus Brinkbäumer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Geprägt wird der Tagesablauf durch meinen Sohn Alexej, der gerade seinen ersten Schultag hatte; die ganze kleine Familie muss die disziplinierte Ernsthaftigkeit am frühen Morgen noch ein bisschen üben. Dann schreibe ich einige Stunden lang. Und am Nachmittag kümmere ich mich um Film- oder Podcast-Projekte, und dann möchte meistens mein Sohn spielen. (Nein, er will immer spielen.) Anders sind natürlich die Tage, an denen ich mit Rieke Havertz den Podcast OK, America? moderiere oder mit Kim Fisher die Talkshow Riverboat, denn beides braucht Konzentration und Sorgfalt.

Klaus Brinkbäumer, Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Diese Frage ist sehr groß, und ich möchte mir nicht anmaßen, für uns alle zu antworten. Wünschen würde ich mir mehr Integrität und Teamgeist, echten gesellschaftlichen Zusammenhalt also, und dann eine Konzentration auf jene Dinge, die wir beeinflussen und ändern können und die wichtig oder sogar lebenswichtig sind.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Wissenschaft, der Kunst an sich zu?

Ja, das stimmt, ich glaube auch, dass wir gerade von Gewissheiten und Gewohnheiten Abschied nehmen, von Sicherheiten und Wahrheiten, die lange galten. Wichtig ist, dass wir uns nicht ablenken lassen durch Lärm und Banales, oder auch, dass wir uns ein Gerüst der Normen und Werte und den Glauben an diese so anstrengende wie wundervolle Demokratie erhalten. Wissenschaft liefert Erkenntnisse und bestenfalls Wahrheiten, Kunst liefert Erkenntnis und kann Wege weisen.

Was liest Du derzeit?

„The Identity Trap“ von Yascha Mounk, auf Deutsch „Im Zeitalter der Identität“ (bei Klett-Cotta).

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das wird jetzt etwas länger, aber schön. Bruce Springsteen über das Schreiben: „I’m a soul miner. So I’m down in the mine and I’m chipping away. And very often I’m getting nothing, nothing, nothing — more often than not. Nothing, nothing, nothing. And then you hit a vein. And when you hit that vein, Bang! Things come pouring out. And you’ve struck some gold, musical gold. And then you’ll play through that vein. And then you’re back. Nothing, nothing, and you’re looking for another vein.“

Vielen Dank für das Interview, lieber Klaus, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buch-, Kulturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Autoren*innen: Klaus Brinkbäumer _ Autor, Filmemacher, Moderator und Kolumnist.

Zur Person/über mich: Klaus Brinkbäumer war von 2015 bis 2018 Chefredakteur des SPIEGEL. Er gewann u.a. den Egon Erwin Kisch-Preis sowie den Henri-Nannen-Preis. Zwischen 2021 und 2024 hatte er die Programmleitung des MDR inne. Heute arbeitet er als Moderator, Autor, Filmemacher und Kolumnist. Von ihm erschienen zuletzt die beiden SPIEGEL-Bestseller «Im Wahn. Die amerikanische Katastrophe» (zus. mit Stephan Lamby, C.H.Beck, 2020) und «Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben: Die Weisheit der Hundertjährigen. Eine Weltreise» (zus. mit Samiha Shafy, S. Fischer, 2019)

Aktuelles Buch von Klaus Brinkbäumer:

Brinkbäumer, Klaus, Zeit der Abschiede. Sieben Jahre des Loslassens und Wiederfindens. C.H.Beck Verlag

„Es gibt eine Zeit im Leben, in der sich die Abschiede häufen: von Träumen, Gewissheiten und von Freunden – und vor allem von jenen Menschen, die uns geprägt und am längsten begleitet haben, unseren Eltern. Klaus Brinkbäumer schildert in diesem sehr persönlichen Buch seine sieben Jahre des Abschieds.

Viele von uns haben diese Lebensphase vor oder hinter sich oder stecken mittendrin: Das Gefühl, dass alles im Leben weitergehe wie bislang, löst sich auf. Die alten Eltern werden krank oder dement, kommen ins Heim, vereinsamen, leiden, sterben. Die Generation der Söhne und Töchter, selbst schon in den Fünfzigern und Sechzigern, fühlt sich in der Pflicht, ist aber unsicher, wie diese zu erfüllen ist. Der eigene Nachwuchs verlässt das Haus und geht seiner Wege. Freundschaften enden ohne Erklärung, die politische Welt und mit ihr die Gesellschaft wandeln sich rasant und der Beruf, in dem wir jahrzehntelang erfolgreich und zuhause waren, bricht plötzlich weg. Klaus Brinkbäumer ergründet mit großer Ehrlichkeit diesen Bruch in seinem Leben, diese sieben Jahre der Trauer und der Verluste, in denen er loslassen muss. Er erlaubt sich Gefühle, die ihm zuvor in dieser Intensität fremd waren. Und er erfährt das Glück zweier Kinder, zweier Umzüge nach New York und zurück und letzter Gespräche mit den Eltern – eine Chance, loszulassen und sich selbst wiederzufinden.“ Presse _ Verlagstext

208 S., Hardcover

978-3-406-83000-6

Erscheint am 18. September 2025

24,00 €

https://www.chbeck.de/brinkbaeumer-abschiede/product/37976534

Fotos _ Portrait: Kirsten Nijhof; Cover _ Verlag.

Walter Pobaschnig 10/9/25

https://literaturoutdoors.com

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