„Kunst muss riskieren“ Felix Bernhard Huber, Komponist _ Wien 20.6.2025

Lieber Felix Bernhard Huber, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin definitiv eine Nachteule. Vor Mitternacht komm ich selten heim – das Leben spielt sich bei mir meistens abends oder nachts ab.
Dementsprechend startet mein Tag später, so gegen zehn, elf Uhr.
Ein großes Glas Wasser ist Pflicht – irgendwas muss ja den Kreislauf in Gang bringen.
Dann: Zigarette. Kein Kaffee. Und langsam reinfinden – Mails checken, Termine sortieren, kurz Überblick schaffen.

Danach hör ich mir die letzten Takte an, die ich komponiert hab – ich muss spüren, ob sie noch atmen.
Wenn ja, schreib ich weiter. Wenn nein, zerreiß ich’s.
Dann: Trompete üben. Später wieder komponieren.
Irgendwann raus – spazieren, Luft holen, Abstand.
Und dann geht’s meist eh schon wieder los: Proben, Treffen, neue Impulse.
Routine ist dabei eher Rahmen als Regel.
Außer vielleicht, dass mein Tag auch mit einer Zigarette endet.

Felix Bernhard Huber _ Komponist, Musiker,
Ghostwriter & Game Designer

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Kunst wird nicht überleben, weil sie alt ist.
Sondern weil sie bereit ist, neu zu werden.

Nur weil man etwas seit 200 Jahren so gemacht hat, heißt das nicht, dass es richtig ist.
Tradition ist kein Denkverbot.
Form ist kein Heiligtum.

Kunst, die sich nicht bewegt, verliert ihren Puls.
Und gerade jetzt – in einer Zeit voller Wandel – muss Kunst wach sein.
Offen. Mutig. Wachsam gegenüber der Welt, in der sie stattfindet.

Es geht nicht darum, alles Alte wegzuwerfen.
Aber es geht darum, zu prüfen:
Was trägt uns wirklich – und was war nur Gewohnheit?

Kunst, die heute relevant ist, darf nicht nur bewahren –
sie muss auch fragen.
Auch reiben.
Auch riskieren.

Nicht, um laut zu sein.
Sondern um ehrlich zu bleiben.

Die Zukunft gehört der Kunst, die sich nicht einrichtet – sondern aufbricht, Kunst wird nur überleben, wenn sie bereit ist, sich zu verändern.
Das gilt für alle – und Musik ist da keine Ausnahme.

Es gibt kein „ein bisschen relevant“.
Kein Mittelmaß.
Entweder du triffst – oder du verfehlst.
Entweder du bist es – oder du bist es nicht.

Die Zeit der Selbstbeweihräucherung ist vorbei.
Wir leben in einer Welt, die sich brutal schnell verändert –
und trotzdem klammern wir uns kulturell an Werke,
die 200 Jahre alt sind, als wäre darin noch unsere Gegenwart.

Ja – vieles davon war groß.
Aber als Musiker bin ich nicht das, was mal war.
Ich bin nur so gut wie mein letztes Konzert.
So ehrlich wie der nächste Ton.
Und wenn der nichts mehr sagt –
dann ist alles davor egal.

Musik muss sich beweisen. Jedes Mal.
Nicht durch Effekte, nicht durch Nostalgie –
sondern durch Relevanz.
Durch Tiefe. Durch Haltung.

Und das heißt auch:
Alte Formen hinterfragen. Neue Wege riskieren.
Nicht alles glattziehen – sondern Kante zeigen.

Wer heute Musik macht, die etwas bedeutet,
muss bereit sein, sich selbst zu gefährden.
Weil nur dann etwas entsteht, das wirklich trägt.
Alles andere ist Echo.

Was liest Du derzeit?

„Perfekt“ von Robert Greene.

Ein Buch über Meisterschaft, Disziplin und den langen Weg dahin.

Kein leichter Stoff – aber genau richtig, wenn man es ernst meint.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

You know the Price!

Vielen Dank für das Interview, lieber Felix, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Felix Bernhard Huber _ Komponist, Musiker,
Ghostwriter & Game Designer

Zur Person/über mich: Felix Bernhard Huber ist ein österreichischer Komponist, Musiker und Game Designer mit einem breiten künstlerischen Spektrum, das klassische Aufführungspraxis, zeitgenössische Komposition und multimediale Projekte verbindet. Seine musikalische Laufbahn begann bereits im Alter von sieben Jahren mit Trompetenunterricht bei seinem Onkel Reinhard Schäfer. Später studierte er klassische Trompete bei Prof. Mag. Jürgen Ellensohn am Landeskonservatorium Feldkirch. Schon mit 13 Jahren spielte er als zweite Trompete im international aktiven Arpeggione Kammerorchester.

Parallel zur Trompete erweiterte Felix seine musikalischen Fähigkeiten am Klavier unter Anleitung des ABBA-Arrangeurs Alexander Alexandroff und erhielt privaten Kompositionsunterricht bei Herbert Willi. 2021 vertiefte er sein Wissen im Bereich Filmmusik durch ein Studium bei Miguel Kertsman an der Donau-Universität Krems. Während der COVID-19-Pandemie setzte er seine künstlerische Arbeit am Tileyard Music Campus in London fort, wo er einen Vertrag mit FELT Music abschloss.

2023 wurde Felix Bernhard Huber für den Austria Media Music Award nominiert – eine Anerkennung seiner wachsenden Bedeutung in der Medienkomposition.

Derzeit lebt er in Wien und erweitert seine musikalische Bandbreite durch ein Studium der Jazz- und Pop-Trompete an der JAM LAB Privatuniversität bei dem renommierten Künstler Thomas Gansch. Parallel arbeitet er an künstlerischen Projekten, die Musik, Erzählkunst und interaktives Design miteinander verbinden.

https://www.felixbernhardhuber.com/

Foto: Victor Marin

Walter Pobaschnig 17/6/25

https://literaturoutdoors.com

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