Erinnerung an Barbara Frischmuth _ „den Mut zu haben, dies alles in Worte zu fassen“ Rosemarie Schmitt, Schriftstellerin _ Wittlich/D 6.4.2025

Erinnerung anBarbara Frischmuth, Schriftstellerin  *5.7.1941 Altaussee   +30.3.2025 Altaussee

Interview _ Rosemarie Schmitt, Schriftstellerin

Liebe Rosemarie, welche Erinnerungen hast Du an Barbara Frischmuth als Kollegin? Gab es persönliche Begegnungen und wie hast Du diese erlebt?

Ich bedaure sehr, ihr nie begegnet zu sein. Würde ich noch einmal gefragt, mit welcher Persönlichkeit (ob lebend oder verstorben) ich mich gerne auf einen Kaffee und ein Gespräch träfe, so lautete meine Antwort: Mit Barbara Frischmuth

Was macht für Dich das Werk von Barbara Frischmuth aus und wie ist dieses in die österreichische Literaturgeschichte einzuordnen?

Was für mich ihr Werk ausmacht, beschrieb sie in einem ihrer Werke absolut zutreffend selbst: Du ziehst einen Faden, und der ganze Stoff kräuselt sich.

Ganz gleich welches ihrer zahlreichen Bücher ich aufschlage, ich finde eine beeindruckende, unglaublich kluge, für sie so typische Sprache. Ich liebe die Wortkreationen von Barbara Frischmuth.

Gibt es ein Lieblingsbuch von Ihr und warum dieses?

Ich habe nicht alle gelesen. Von denen, die ich las, mag ich am liebsten: Über die Verhältnisse. Daraus ist auch das eben genannte Zitat.

Warum? Weil Frischmuth da die Sau rauslässt! Wer’s las, weiß, was ich meine.

Welche Inspiration hinterlässt Ihr Schreiben, Ihre Weltsicht, Ihr Künstlerinsein?

Sie inspiriert mich weiterhin genau hinzuhören, hin- und dahinterzuschauen, und den Mut zu haben, dies alles in Worte zu fassen und zwischen zwei Buchdeckel zu bringen.

Gibt es ein Zitat/eine Textstelle von Ihr, die Du uns noch mitgeben möchtest?

Lass mich bei Über die Verhältnisse bleiben. Weil ich es mag und weil’s gerade sehr gut passt:

(…) Kommen wir wieder zum Spanferkel und zu seiner Entstehung, seiner Creatio, nicht ex nihilo, sondern im Kopf von Melanie, seiner späteren Wirtin, aus einem abfallenden Gedanken des Chefs, der etwas von der allgemein herrschenden Sauwirtschaft gesagt hatte, und das just in dem Augenblick, als sich im Kopf von Melanie ein Gedanke auf den Sprung machte, für den ausgerechnet das Wort Sauwirtschaft den Geburtshelfer spielen sollte. (…)

Vielen Dank für das Interview!

Barbara Frischmuth, Schriftstellerin 
*5.7.1941 Altaussee   +30.3.2025 Altaussee

Barbara Frischmuth, Schriftstellerin

geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025).    Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth  31.3.2025

Rosemarie Schmitt, Schriftstellerin

Rosemarie Schmitt, Schriftstellerin

Zur Person _ Rosemarie Schmitt wurde 1960 in Trier geboren. Ihren ersten journalistischen Artikel schrieb die ehemalige Kommunale Vollzugs- und Vollstreckungsbeamtin für eine luxemburgische Zeitung. Später arbeitete sie als freie Mitarbeiterin für eine deutsche Tageszeitung. Viele ihrer Kurzgeschichten wurden veröffentlicht und ausgezeichnet. Sie verfasste literarische Blog-Beiträge für ZEIT-online und war 10 Jahre als Kolumnistin für kultur -online.net tätig. Rosemarie Schmitt organisierte die 1. Literaturtage in Wittlich. Als Dozentin unterrichtet die Autorin Jugendliche in Literarischem Schreiben. 2024 gewann sie den begehrten SpaceNet-Award in der Kategorie Fotografie. Durch die Begegnung mit crime.lu bei den Walfer-Bicherdeeg entdeckte Rosemarie Schmitt ihre „kriminelle“ Leidenschaft.

Am 4.4.2025 feierte ihr erster Kriminalroman DAS GIFT DER STILLE in Luxemburg Premiere.

Webseite: Termine und News – rosemarieschmitts Webseite!

Fotos_Portrait Barbara Frischmuth: Franz Johann Morgenbesser

Portrait Rosemarie Schmitt: Walter Pobaschnig _ Station bei Malina, Wien 2024

Walter Pobaschnig 5.4.2025

https://literaturoutdoors.com

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