
Erinnerung an_ Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Interview _ Peter Reutterer _Schriftsteller, Musiker
Lieber Peter, welche Erinnerungen hast Du an Barbara Frischmuth als Kollegin? Gab es persönliche Begegnungen und wie hast Du diese erlebt?
Barbara Frischmuth ist eine der Heldinnen unserer frühen Literaturbegeisterung. Während meines Studiums und während meiner jungen Jahre als Gymnasiallehrer lasen wir ihre Werke mit großer Bewunderung. Davon zeugen die zahlreichen Buchexemplare in meiner Bibliothek. Es waren Erzählungen, die Hoffnung machten, die uns ermutigten, eigene ehrliche, aber auch friedvolle Wege zu gehen. Ihr Stimme fehlt nun sehr als Stimme gegen die Kriegsschreier. Sie propagierte ein Miteinander zwischen Politikern und Staaten.
Persönlich bin ich ihr einmal im Salzburger Literaturhaus en passant begegnet und ein Andermal etwas länger in Altaussee, wo sie Julian Schutting ins Literaturmuseum eingeladen hatte. Eine faszinierende Dame der Literatur.
Was macht für Dich das Werk von Barbara Frischmuth aus und wie ist dieses in die österreichische Literaturgeschichte einzuordnen?
Sie war eine der großartigen SchriftstellerInnen der Siebziger und Achtziger, so wie Jelinek, Mayröcker, Evelyn Schlag etwas später, oder auch Handke, Bernhard, Wolfgruber, Henisch, Innerhofer u.a.. Sie war v.a. auch Vorbild für uns, die wir literarisch zu schreiben begannen. Ein eigenständiger literarischer Ton war da, Werthaltung, Ehrlichkeit, sie war einer sinnlichen und sinnvollen Wirklichkeit verpflichtet, dem Glauben an Entwicklung einer fairen und friedlichen Gesellschaft.
Es war eine neue Art der Sinnlichkeit, es war eine neue Art der Ehrlichkeit, auch der politischen Entschlossenheit. Gerade die Gesellschaft der Nachkriegsjahrzehnte strotzte in Österreich vor Verlogenheit (etwa bis zum Skandal rund um „Heldenplatz“ 1988). Gleichzeitig war da diese Bewegung zu etwas Neuem hin, in der Frischmuth u.a. auch mit ihren emanzipatorischen Texten eine wesentliche Rolle spielte.
Gibt es ein Lieblingsbuch von Ihr und warum dieses?
Besondere Faszination haben für mich die Bücher, die von Befreiung erzählen und mythologische Elemente haben, wie „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ aus den Siebzigern oder „Amy oder Die Metamorphose“ und „Kai und die Liebe zu den Modellen“ aus den Achtzigern. Natürlich ist auch die analytische und emotionale Schärfe von „Die Klosterschule“ eine Sensation, ihr Debut von 1968, in dem sie das strenge Reglement in einem katholischen Internat in seiner Destruktivität für Kinder vorführte.
Welche Inspiration hinterlässt Ihr Schreiben, Ihre Weltsicht, Ihr Künstlerinsein?
Neben dem oben Gesagten habe ich von Barbara Frischmuth die Anregung, biographisches Erzählen zu wagen. In diesem kulturellen Biotop ist sicherlich auch mein erstes Buch „Forsthaus“ (1997) entstanden. Im Übrigen bleibt sie uns allen Modell, wir sind wie sie aufgerufen, Neues zu finden, den Weg des Humanen niemals zu verlassen.
Gibt es ein Zitat/eine Textstelle von Ihr, die Du uns noch mitgeben möchtest?
Da gäbe es viele, ich nehme relativ beliebig zwei Sätze aus „Kai und die Liebe zu den Modellen“:
„Unsere Kinder werden alle Trottel, weil man sie nicht mehr auslassen kann. Nicht einmal allein von der Schule dürfte man sie nach Hause gehen lassen, heutzutage.“
„…wir sind so für die Berührung eingerichtet, dass wir uns notfalls selber streicheln. Andererseits die Empfindlichkeit…
Vielen Dank für das Interview!

*5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin
geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025). Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth 31.3.2025

Peter Reutterer _Schriftsteller, Musiker
Zur Person: Peter Reutterer, geboren am 13.5.1956 in Waidhofen a.d.Thaya, bis zum achten Lebensjahr im Waldviertel. Übersiedelung nach Salzburg. Neusprachliches Gymnasium, Studium (Germanistik, Psychologie-Pädagogik, Latein), Gymnasiallehrer seit 1980, Veröffentlichungen seit 1987. Lebt mit Familie in Bergheim bei Salzburg.
Buchpublikationen:
„Forsthaus“.Kurzprosa.-Bibliothek der Provinz, 1997
„Lokalaugenschein“. Kurzprosa.- Bibliothek der Provinz, 1998
„Movies“. Lyrik.-edition aramo, 2002
“Der Filmgänger”. Eine Erzählung.-Bibliothek der Provinz, 2002
„Silbercolt und Silbersee“. Jugendroman.- edition nove, Jänner 2007
„Schräglage“. Satiren. – Bibliothek der Provinz, Herbst 2007
„Gegenlicht“ .Kriminalerzählung. – arovell, 2008
„Siesta mit Magdalena“. Eine Novella.- arovell, 2010
„Augen.Blicke“. Gesammelte Lyrik.-Edition Tandem, 2010
„Auf den Punkt“. Gedichte mit Geschichten – arovell, 2012
„Unter dem Himmel und in Berlin“. Gedichte mit Geschichten. – arovell, Jänner 2014
„World Wide und auf der anderen Seite“. – Gedichte mit Geschichten. arovell, 2016
„Um das Leben gespielt“. – Gedichte mit Geschichten. arovell, 2018
„Langsame Einkehr“. – Gedichte mit Geschichten. Bibliothek der Provinz, 2020 – Was bisher zu „Langsame Einkehr“ angemerkt wurde
„BEI MIR KIND“. – Prosa. Bibliothek der Provinz, 2022
Essay von Karl Müller
„In Italien und Augenblicklich“. – Gedichte. Bibliothek der Provinz, 2024
Publikationen in Anthologien und Zeitschrifften:
„Fugato in S-Moll“. In: „Leben in Salzburg“(MM-Verlag, 1987)
„Ad verba“. In: LITERATUR AUS ÖSTERREICH (1993)
„Der entschwundene Durst“. In: STERZ (Nr.64/ 1994)
„Biomüll“. In: „Mord vor Ort. Neue Kriminalgeschichten aus Österreich“(Vlg. für Gesellschaftskritik, 1994)
„Abenteuerspielplatz“. In: „Väter“ (Edition Doppelpunkt, 1996)
„Heideland“. In: „Waldviertler Weisheiten“(Edition Stoareich, 1996)
„Waldschneisen“. In: SALZ 89, 1997
„Videohelp“. In: STERZ, Nr.76/ 77 (1998)
„Lyrik“. In: LITERATUR AUS ÖSTERREICH, Nr.252 (1998)
„Demolition“. In: STERZ, Nr.78/ 79 (1998)
„Ich rieche“. In: Doppelklick 5, neue edition BUCHKLUB 1999
„Despabilate, amor“. In: STERZ, Nr.82 (1999)
„Filmesdichte“. In: SALZ 102, Dez.2000
„Mein Bier am Abend“. In: Edition Aramo, Krems 2001
“Wie Fußball”. In: Mein Leid am Mittwoch. Edition Aramo, Krems 2002
“Rom”. In: SALZ 110, Nahaufnahmen 8. Salzburg 2002
“Movieangels”. In: Beyond, Marsilius 2003
“Erdäpfelklauben”. In:Über das Land, Öst.Agrarverlag (Literaturwettbewerb) 2003
„Bewegende Bilder“. In: Litertatniktechtur 03 (Siemens-Literaturwettbewerb)
„Augenlicht und Ewigkeit“. In: SALZ 114, Nahaufnahmen 9. Salzburg 03
„Die Fußballanalysten“. Satire in DIEPRESSE, 10.7.06
Lesungen:
zunächst bei Gruppenlesungen in Salzburg, Graz und Wien.
Buchpräsentationen im Salzburger Literaturhaus, in Zwettl und Reichenau, Stifterhaus Linz, Oktober, Hollabrunn u. Raabs, im Literaturhaus Wien, Literaturhaus Krems, im Musilhaus Klagenfurt, 2003 in Budapest, 2004 in Bonn
RADIOSENDUNGEN zu „Forsthaus“, (Radio Salzburg 97), zu „Lokalaugenschein“ am Sept.98. In „Beispiele, Ö1“ 1998, in „Literaturminiatur“, Ö1 1999 und 2003 ebenfalls in Ö1, „Leseprobe“ zum „Filmgänger“
Preise:
1995 beim Lieferinger Literaturwettbewerb
Herbst 1996: Manuskript-Förderpreis vom Land NÖ
März 97: Preisträger beim Hermes-Lyrik-Wettbewerb (Burgenland)
1998: Preisträger „freies lesen“ (Lungau)
1998: 5.Platz beim Bewerb um den Preis des Salzburger Kulturfonds
Juli 98: einmaliges Arbeitsstipendium vom Bund, 1999 vom Land Salzburg
Juli99: Preisträger bein NÖ-Donaufestival („Die großen Prophezeiungen“)
Juli 2000, Preisträger beim KIMNARAS-Wettberb (Drosendorf)
September 2003, Landesstipendium Salzburg mit Fritz Popp (Jury Britta Steinwendtner, Werner Thuswaldner und Gudrun Seidenauer)
Romstipendien des Bunde 04 und 05
Oktober 20005, Anerkennungspreis „Offener Himmel“
TEILNEHMER an Workshops mit Julian Schutting
Mitglied bei der SAG und bei prolit
MITARBEIT beim Projekt „Virtuelle Schule“ (PI-Niederösterreich, 2000)
Vom Land Salzburg gefördertes Buchprojekt mit Schülern „Lies langsam“, 2002
Musik _ Bandprojekte mit:
Wukasin Radulovic (tb), Thomas Müller (p): EVERGREENCOMBO
(Tanzbare Oldies und Soft Jazz)
Zsuzsanna Kiss (voc, viol.), Peter Brugger (b), Rainer Furtner (dr): TRIO EXQUISIT
(Standards für die Lounge, Ungarischer und Wiener Jazz)
Oliver Baumann, Florian Oberholzer, Johannes Helmreich: ABENDBROT
(Tanzbarer Pop der letzten Jahrzehnte)
https://www.peter-reutterer.at/bio.html
Fotos_
Portrait Barbara Frischmuth: Franz Johann Morgenbesser
Foto_ Portrait Peter Reutterer: privat
Walter Pobaschnig 2.4.2025