Liebe Heike Gerdes, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich balanciere zwischen Lesen und Schreiben, Musikhören und Musikmachen, Ruhe und Aktivität, Mut und Wut.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nicht akzeptieren, dass Unsagbares sagbar wird, Ausgrenzung konsensfähig und Hass akzeptabel. Viel zu lange haben wir hingenommen, dass Wahrheit und Lüge vertauscht werden, sprachliche Grenzen immer weiter verschoben wurden, sachliche oder positive Begriffe zu Schimpfwörtern mutierten und auf der anderen Seite Worte des Schreckens in den alltäglichen Sprachgebrauch einflossen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Kunst und Literatur müssen wahrhaftig sein. Auch und gerade in unseren ausgedachten Geschichten dürfen wir nicht lügen, täuschen und die Tatsachen verdrehen. Die Lüge hat es immer leichter als die Wahrheit, sie braucht keine Anwälte. Wenn wir im Kriminalroman oder anderen literarischen Werken das Brennglas auf Verbrechen und Gesellschaft richten, schärfen wir den Blick für das Wesentliche und Wahre. Das ist unsere Verantwortung.
Was liest Du derzeit?
„Das Komplott“ von Will Eisner. In dieser Graphic Novel erzählt er die wahre Entstehungsgeschichte der antisemitischen Propagandalüge über die „Protokolle der Weisen von Zion“. Mit seinen dokumentarischen Zeichnungen entlarvt er die Hetzschrift, die seit dem 19. Jahrhundert Fake News verbreitet, lange ehe der Begriff erfunden wurde.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wir müssen auf unseren moralischen Kompass achten, wenn der gesellschaftliche Polsprung droht.
Vielen Dank für das Interview, liebe Heike, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen: Heike Gerdes, Schriftstellerin
Zur Person/über mich: Heike Gerdes, geboren 1964 im Schwarzwald, lebt seit über 30 Jahren im ostfriesischen Leer. Schriftstellerin mit journalistischen Wurzeln. Macht schon immer was mit Lesen und Schreiben. Nach jahrelangem Redakteursdasein bei verschiedenen Zeitungen in Niedersachsen arbeitete sie freiberuflich bei Zeitungen, Zeitschriften und einem Internetmagazin, ehe sie sich für die Selbstständigkeit entschied. Der Hang zu gründlicher Recherche ist ihr aus der Journalistenzeit geblieben. Im Januar 2000 gründete sie den Leda-Verlag und betrieb mehr als zehn Jahre lang in Leer die Krimibuchhandlung „Tatort Taraxacum“ mit Café und Kleinkunstbühne, mit der sie zweimal den Deutschen Buchhandlungspreis gewonnen hat. Zudem ist die Autorin Mitglied im SYNDIKAT, dessen Geschäftsstelle sie seit 2022 leitet. Bisher erschienen die drei Kriminalromane „Sturm im Zollhaus“, „Soja nun auch nicht“ und „Friesisches Käsekartell“ und zahlreiche Kurzgeschichten. Ein historischer Roman ist in Arbeit.
Aktueller Kriminalroman von Heike Gerdes:
Heike Gerdes, Friesisches Käsekartell

In den Kühlregalen der ostfriesischen Supermärkte findet man keinen Käse mehr, der Käsemeister einer regionalen Großkäserei wird vermisst und ein geheimnisvolles Brüderpaar verkündet den Aufbau einer Käsefabrik mit Spezialitätenrestaurants. Okko Wildeboer, kleiner Dealer mit großen Träumen, liebt Käse und freut sich über deren Jobangebot. Aber bald wird klar: Die Sache stinkt.
Hauptkommissar Roman Sturm und seine Kollegin Lükka Tammling ermitteln.
288 Seiten, 12 x 20 cm, Paperback
Buch 14,– € / E-Book 10,99 €*
ISBN 978-3-8392-0133-6
https://www.gmeiner-verlag.de/buecher/titel/friesisches-kaesekartell.html
Foto_privat.
Walter Pobaschnig 20.1.2025
Super Interview! 😍
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