Liebe Vanessa Payer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Momentan arbeite ich von früh bis spät an der Wiederaufnahme der Produktion „LEBENSBÖGEN“, an der Vorbereitung für eine Lesung mit Texten von Milena Jesenska und Franz Kafka für den Jour Fixe des Bezirksmuseums Landstrasse und für einen Theaterworkshop, den ich im Theater- und Feriendorf Königsleitn gebe. Dazwischen wechsle ich gerne ein paar Worte mit meiner Tochter und (telefonisch) mit meinem Sohn. Also eine dichte Zeit. Aber da mein Sommer erfüllend erholsam war, habe ich im Moment auch gut Kraft dafür.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Für uns alle weiß ich nicht. Differenzierungsfähigkeit vielleicht, Hamsa genannt auf Sanskrit. Ein klareres Urteilsvermögen in dieser ganzen emotional überladenen Informationsschreierei.
Zuhören, zuhören, zuhören, denke ich, ist das Gebot der Stunde- und zwar dem anderen und nicht nur der eigenen Projektion.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Die neueste Geschichtsforschung hat herausgefunden, was den Homo sapiens wohl am meisten von dem (nicht zu unterschätzenden!) Neandertaler- Menschen unterschieden hat. Auch wenn wir in unserer DNA Reste von Neandertalergenen in uns tragen, hat sich Homo sapiens durchgesetzt. Es gibt einige Erklärungsmodelle dafür, aber was war nun ein wesentlicher Unterschied?
Kunst.
Was ich damit sagen will? Kunst ist die ewig gültige Seele jeder menschlichen Gemeinschaft. Diese Rolle ist unveränderbar, obwohl sie sich in ihren Ausformungen immer wandelt.
Mir liegt daran, daß Menschen im Theater nicht nur emotional bewegt werden, sondern sich auch wirklich auseinandersetzen können mit den erzählten Themen, Bewußtsein erweitern in gewisser Weise. Aber das geht wohl Hand in Hand mit innerer Bewegtheit..

Was liest Du derzeit?
„Mütter Europas- Die letzten 4300 Jahre“ von Karin Bojs
„Malika“ von Barbara Deissenberger
„Im Atlas“ von Andreas Jungwirth
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
I believe in the human need to empower each other.
Vielen Dank für das Interview, liebe Vanessa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen: Vanessa Payer Kumar, Schauspielerin, Producer
Zur Person/über mich:
Vanessa Payer Kumar, Schauspielerin, Producer
Vanessa ist als Schauspielerin seit 35 Jahren an renommierten Bühnen in Österreich und Deutschland engagiert und in der freien Wiener Szene tätig, ebenso für Film und Fernsehen.
Gastspiele führten sie nach London, New York und Seattle
Vanessa Payer war jahrelang Mitglied der Impro- Gruppe „u.r.theater“, gibt Impro- und Schauspielkurse und ist Trainerin für Wirtschafts- und Sozialkompetenz.
Neben ihrer schauspielerischen Vielseitigkeit liegt ihre Stärke im konzeptionellen Bereich und in der Organisation, sowie in der künstlerischen Entwicklungsarbeit mit und in einem Team. Seit 2016 leitet sie theater7 http://www.theater7.at und ist Autorin und Co-Autorin mehrerer Stücke.
2023 wurde sie für ihr Kulturschaffen und ihr gesellschaftliches Engagement vom BMEIA- dem Außenministerium Österreich und dem Frauenmuseum Hittisau als „Calliope“ ausgezeichnet und auf die gleichnamige „Plattform herausragender Österreicherinnen“ aufgenommen. https://www.calliope.at/vanessa-payer-kumar
Vanessa ist Mutter eines Sohnes (geb. 2002) und einer Tochter (geb. 2009) und lebt in Wien.
http://www.vanessapayer.com
Infos zu aktuellen Veranstaltungen:

Mit Schauspieler:innen durch die Seestadt spazieren und jene Frauen kennenlernen, die den Straßen im neuen Stadtteil ihre Namen geben.
LEBENSBÖGEN – Stationentheater in der Seestadt (Wiederaufnahme)
Ein Stück von Vanessa Payer Kumar und Florian Stanek
Samstag, 21. September, 16:30 Uhr Premiere
Sonntag, 22. September, 11 Uhr und 16:30 Uhr
Schulaufführung am Montag, 23. September (auf Anfrage).
Start bei Forum Am Seebogen, Eileen-Gray-Gasse 2, 1220 Wien
Begrenzte Platzanzahl – Reservierung erbeten unter Theater7.lebensboegen@gmail.com oder +43 677 644293 43
Eintritt: freie Spenden.
Mit: Tania Golden, Viktoria Hillisch, Artur Ortens, Vanessa Payer Kumar, Marion Rottenhofer, Lukas Strasser, Christina Trefny und als Gast Constanze Hojsa

Mit Schauspieler:innen durch die Seestadt spazieren und jene Frauen kennenlernen, die den Straßen im neuen Stadtteil ihre Namen geben.
Zwei Stunden spazieren Theatermacherin Vanessa Payer Kumar und sechs Schauspieler:innen durch das Quartier Am Seebogen in der Seestadt. An verschiedenen Stationen (teils mit Sitzgelegenheiten) lassen sie in einem vielfältigen Szenenreigen am Leben jener Frauen teilhaben, deren Namen den neuen Stadtteil prägen.
- Da erzählt beispielsweise die von den Geschichtsbüchern vergessene Karoline von Perin-Gradenstein über ihr Engagement für Demokratie und Frauenemanzipation – sie war 1848 (!) Mitbegründerin und Präsidentin des „Wiener demokratischen Frauenverein“.
- Und von Wangari Maathai, die als erste afrikanische Frau den Friedensnobelpreis erhielt, erfahren die Besucher:innen, warum Frauen- und Umweltpolitik Hand in Hand gehen müssen.
- Ebenso kommendie Architektin Zaha Hadid, Schriftstellerin Simone de Beauvoir, die weltberühmte (und als einzige fiktive Figur) Pippi Langstrumpf, Radiomoderatorin und frühere Vorturnerin der Nation Ilse Buck uva. an ihren Straßen und Plätzen zu Wort.
Vanessa Payer Kumar, die in dem Stück u.a. Karoline von Perin, Jane Jacobs und Ilse Aichinger darstellt, möchte aber auch auf die Fragilität und Kostbarkeit unserer Demokratie aufmerksam machen: „Die Gesellschaft hat oftmals vergessen, wie viele Frauen ihr Leben, ihre Existenz und ihre ganze Lebenskraft einsetzten und für Menschenrechte und Gleichberechtigung kämpften, von denen wir heute profitieren.“
Die „LEBENSBÖGEN“ des „Theater 7“ von Vanessa Payer und Florian Stanek verbinden auf poetische, dramatische und komische Weise das Leben und Schaffen der „Seestadt“-Frauen.
Gespielt wird bei (fast) jedem Wetter, da es Indoor-Stationen und Notfall-Schirme geben wird. Bei orkanartigen Zuständen wird um Rückfragen ersucht. Der Spaziergang ist barrierefrei.
Idee/Konzept/Künstlerische Leitung: Vanessa Payer Kumar
Buch: Vanessa Payer Kumar und Florian Stanek
Produktionsleitung: Vanessa Payer/ Tania Golden
Regie: Anselm Lipgens
Ausstattung und Kostüm: Sigrid Dreger
Produktionsassistenz: Nandini Kirchbaumer
Mit freundlicher Unterstützung von Aspern – Die Seestadt Wiens, IBA_Wien, Donaustadt Kultur, Stadt Wien Kultur, ZukunftsFonds der Republik Österreich, KulturGarage, Stadt Wien Büchereien, LiDo, familienwohnbau.
Frauen in der (See-)Stadt sichtbar machen
Das zweite Seestädter Stationentheater „LEBENSBÖGEN“ widmet sich wie sein Vorgänger „LEBENSSTRASSEN“ den namensgebenden Frauen der Straßen in der Seestadt. Im Vergleich zur restlichen Stadt sind Frauen in den Straßenbezeichnungen hier überrepräsentiert, um das Ungleichgewicht in Wien ein wenig zu schmälern. So sind bei 4.269 nach Personen benannten Straßen nur lediglich 356 Straßen Frauen gewidmet.
Die wesentlichen städtebaulichen Aspekte des neuen – von der IBA_Wien ausgezeichneten – „Quartier Am Seebogen“ spiegeln sich auch im Stück wider: Kultur; Sport; Wohnen und Arbeiten; Religion; und natürlich das Leben der „Seestadt-Frauen“ mit ihrem Werk und Wirken.
Fotos: Michaela_Krauss-Boneau; privat; Luiza Puiu/Theater 7; Lebensbögen Seestadt
Walter Pobaschnig _ 18.9.2024