„Wir müssen in der Literatur vor allem ehrlich sein“ Ronny Thon, Schriftsteller _ Mühlhausen/Thüringen/D 16.8.2024

Lieber Ronny Thon, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan wache ich oft sehr früh auf und gehe dann spazieren. Ich versuche jeden Tag zu schreiben, entweder Literatur oder etwas für die Universität. Dafür gehe ich oft in die Stadtbibliothek meiner Heimatstadt und atme dort die Gedanken einsamer Bücher ein. Wenn Zeit ist, schaue ich mir Filme oder Serien an, höre Musik, am liebsten Songs aus den 80ern und 90ern, oder ich lese Romane von Autoren wie Murakami oder Tokarczuk. Gern unterhalte ich mich auch mit meinen Mitmenschen, höre ihnen zu. Irgendwann werde ich müde und meistens gehe ich dann ins Bett.

Ronny Thon, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Liebe und Verständnis füreinander. In letzter Zeit begegne ich oft Menschen, die voller Zorn sind und sich Dinge wünsche, die für mich Horrorszenarien wären. Wir sollten aber diese Menschen mit Respekt begegnen und sie nicht als Schurken verurteilen. Auch wenn das manchmal sehr schwer fällt…

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wir müssen vor allem ehrlich sein. Allgemein, aber auch in der Kunst und Literatur. Egal ob man autofiktional oder surreal schreibt. Dinge ansprechen, Menschen respektieren, ihnen ein Ohr reichen, für wichtige Dinge einstehen. Man hört der Kunst zu, wenn sie aufrichtig ist.

Was liest Du derzeit?

„1984“ von George Orwell (lese ich eigentlich ständig), „All die Liebenden der Nacht“ von Mieko Kawakami (Super Autorin) und „Die Show“ von Richard Laymon (niemand glaubt mir, dass das einer meiner Lieblingsromane ist). Und wenn man mich schon fragt, natürlich auch mein Debütroman „Der Filmkritiker“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wenn ein wahres Genie in die Welt tritt, erkennt ihr es an den Idioten, die sich dagegen verschwören.“ Jonathan Swift

„Wie das so ist.“ aus „Schlachthof 5: oder Der Kinderkreuzzug“ von Kurt Vonnegut, einer meiner Lieblingsautoren. Wenn ich mal nicht weiter weiß (was öfter mal vorkommt), finde ich Trost in seinen Worten.

Vielen Dank für das Interview, lieber Ronny, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Ronny Thon, Schriftsteller

Zur Person: Ronny Thon kam 1989 in Mühlhausen zur Welt. Nach dem Abitur verbrachte er insgesamt sieben Jahre in der Altenpflege, darunter drei Jahre in der Ausbildung zum Altenpfleger. Diese Zeit war nicht immer einfach, aber sie prägt ihn bis heute.

Zwischen 2017 und 2021 absolvierte er an der Universität Erfurt ein Bachelorstudium in Geschichte als Hauptfach und Literatur als Nebenfach. Diesem folgte ein Masterstudium in Transkultureller Geschichtswissenschaft. 2023 schloss er es erfolgreich mit einer Masterarbeit über den Film „Die Delegation“ und dessen historischer Bedeutung ab. Seitdem studiert er an der Friedrich-Schiller-Universität Jena den Studiengang „Kunstgeschichte und Filmwissenschaft“, ebenfalls im Master.

Im August 2024 erscheint sein Debütroman „Der Filmkritiker“. In seiner Jugend schrieb er im „Star Trek“-Universum angesiedelte Fanfiction und erlernte das literarische Schreiben im Gymnasium. Nach kleinen Erfolgen bei Wettbewerben lernte er durch die Universität Julia Kulewatz kennen, die ihn ermutigte, es mit einer literarischen Karriere zu versuchen. Dafür ist er ihr sehr dankbar.

Bibliografie

•  2021 Kurzgeschichte „Regentanz“ in der Rubrik „Literatür“ auf der Website des  Verlags „kul-ja! Publishing“→ https://www.kul-ja.com/die-literatuer/

• 2023 Mitarbeit am Motion Comic „Die Dichte von Freiheit“ im Rahmen des Projekts „MoCom Memorys. Motion Comics als Erinnerungsarbeit“→ https://mocom-memories.de/die-dichte-von-freiheit/

•  2023 Kurzgeschichte „Loch an Loch“ im Begleitmaterial zum Motion Comic „Die Dichte von Freiheit“, beides soll im Schulunterricht (v.a. im Fach Geschichte) Anwendung finden und ist auf der Webseite des Projekts kostenlos herunterzuladen

• 2024 Kurzgeschichte „Galmuth“ in Palmbaum, Heft 1/2024 (ISSN 0943-545X)

• 2024 Roman (ISBN: 978-3-949260-26-1) „Der Filmkritiker“, Verlag: „kul-ja! Publishing“

Aktueller Roman von Ronny Thon:

Der Filmkritiker

›Der Stadtneurotiker‹ meets ›Pulp Fiction‹

Ob Mumien im Zug, nur drei von fünf Daumen hoch oder internationale Filmfestivals, Ehekrisen und unter der Oberfläche schlummernde Geheimnisse, als Filmkritiker hat man es ohnehin nicht leicht, insbesondere nicht als der unscheinbare Bruder eines hochgelobten Bestsellerautors. Wenn dann das eigene Leben einer schlechten Verfilmung gleicht, in der man unfreiwilligerweise auch noch mitspielen muss, wird es Zeit, seine Bewertungsmaßstäbe zu überdenken. Denn wie rezensiert man die nackte Existenz?

Ronny Thons Episodenroman über einen Mann, der mehr Ahnung von Filmen als vom Leben hat, bricht die Leinwand schonungslos auf und entlarvt schlechte Schauspieler.

https://www.kul-ja.com/onlineshop/der-filmkritiker/

Walter Pobaschnig _ 14.8.2024

https://literaturoutdoors.com

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