Lieber Mati Shemoelof wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich wache morgens auf und bringe meine Tochter zur Schule, ich laufe im Park, mache Sport. Geht duschen, bereitet einen frischen Gemüsesalat zu und geht zum Schreibtisch. Ich schreibe bis vier Uhr und hole dann meine Tochter von der Schule ab.

Autor und Kurator.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Es ist besonders wichtig, Widerstand gegen den Krieg zu leisten, Frieden zu suchen und sich um unsere Umwelt zu kümmern.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Literatur und die Kunst sind verlorene Möglichkeiten, die man neu lesen und in unserer Realität neu anwenden kann.
Was liest Du derzeit?
Erich Arendt „Ägäis“ Gedichte und Ein interview von Aleksandar Tisma mit Achim Engelberg „Nachruf auf eine Kosmopolitische Stadt“: Ein Gespräch über Novi Sad und Das Schreiben als Obsession (erscheint bei Sinn und Form, 2024, Erstes Heft)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ivrit?!
Du redest Ivrit?
לא ידעתי אז למה
Reden wir nicht gleich
עברית במקום שאני
Mühe mich ab mit dem
גרמנית וכל שבירותיה
Der Zunge?
Also wirklich
היית יכול להגיד לי יותר
Früher und dann wäre alles
קצת יותר פשוט
Gewesen. Aber ist ja
עכשיו לא משנה. אנחנו
Verstehen uns auch
ככה , nicht wahr?
(Jan Kühne „Wסrtwוrkפn” Gedichte, Aphorisma Verlag, 2015)

Autor und Kurator.
Vielen Dank für das Interview, lieber Mati, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen: Mati Shemoelof, Autor und Kurator.
Zur Person: Mati Shemoelof, Jahrgang 1972, ist ein Schriftsteller, Dichter, Aktivist, Autor und Kurator. Geboren und aufgewachsen in Haifa/Israel lebt und arbeitet er inzwischen mit Lebensmittelpunkt in Deutschland. Er hat sowohl in Israel als auch in Deutschland insgesamt elf Bücher veröffentlicht, darunter sieben Gedichtbände. Sein Werk ist vielfältig aufgestellt. Es umfasst Belletristik, Lyrik, Theaterstücke, Artikel, Texte für Kunstausstellungen, Kurzgeschichten und vieles mehr.
Seine erste Veröffentlichung in Deutschland war eine zweisprachige Ausgabe seines Gedichtbandes „Bagdad | Haifa | Berlin“ (Aphorisma Verlag, 2019). Seine zweite Veröffentlichung in “Deutschland war: “Das kleine Boot in meiner Hand nenn ich Narbe: Gedichte“ (Parasitenpresse, 2023). Für den WDR entwickelte er das Hörspiel „Das künftige Ufer“ (2018).
In Berlin war er Mitbegründer der Gruppe „Poetic Hafla”, die literarische Veranstaltungen und Performances durchführte. Außerdem ist er Mitbegründer von “Anu אנו نﺣــــﻧ: Jews and Arabs Writing in Berlin”. Er ist Empfänger eines Sonderstipendiums des Berliner Senats,
um ein viertägiges arabisch-jüdisches Festival über die Vision für eine Nahostunion zu kuratieren.
In diesem Jahr (2024) hat er ein Stipendium des Literaturfonds Deutschland erhalten, um sein erstes Buch auf Deutsch zu schreiben: „Jiddische Sounds, Deutsche Wörter“.
Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist er als Literaturredakteur und verschiedentlich in den Medien tätig. er lebt in Berlin, wo er glücklich verheiratet und Vater einer kleinen Tochter ist.
Weitere Informationen über sein künstlerisches Schaffen finden Sie auf seiner Website: mati-s.com
Fotos _ © Ronja Falkenbach, 2024
Walter Pobaschnig _ 12.7.2024