
Es ist ein literarisches Requiem als ganz besonderes Leser:innen Geschenk wie hommage an eine der bedeutendsten modernen Schriftsteller:innen, deren Werk virtuos, konsequent und wegweisend ist. Ihr Tod nach schwerer Krankheit 2024 fällt mit dem 100.Todesjahr Franz Kafkas zusammen und die Werksparallelen – der Mensch in seinem Lebenskosmos voller Sehnsucht inmitten von Dunkelheit, Unerbittlichkeit und Verzweiflung gesellschaftlichen Seins – sind erstaunlich wie erschütternd. Was ist der Mensch? Was hat sich in hundert Jahren verändert an Existenz und Möglichkeit?
Die Titelüberschrift der drei versammelten Nachlasstexte „Miserere“ (auch der geplante Bachmannpreis Text ist dabei) verweist auf einen religiösen (Psalmen) wie medizinischen (Erbrechen des Darminhaltes) Kontext und verbindet damit die Schonungslosigkeit körperlicher Gebrechlichkeit wie sozialer Brutalität mit einer fragenden wie anklagenden transzendenten Geist- und Sprachbewegung, die eine Form findet und einen Stil prägt, der sich über gängige Kategorisierung hinaushebt. Sprache wird hier zum Sturm, Orkan der Seele, die Welt und Gott schüttelt und erschüttert bis alle Worte und aller Atem verstummen.
Helena Adler ist eine literarische Stimme, die Leben und Sehnsucht, Gesellschaft und Leiden schonungslos ins Wort setzt.
„Miserere“ Helena Adler. Drei Texte. Jung und Jung Verlag.
72 Seiten, gebunden
auch als E-Book erhältlich
WG: 1112
ISBN: [978-3-99027-407-1]
Preis: € 16,-
Walter Pobaschnig 6/24