

Pia Raunjak, Schauspielerin, Produzentin und Moderatorin



























Pia Raunjak, Schauspielerin, Produzentin und Moderatorin
Liebe Pia Raunjak, welche Bezüge gibt es von Dir zu den 1980er Jahren, besonders der Musik, der Kultur?
Mein Vorname „Pia“ ist tatsächlich eine Reminiszenz an die 80er: Ich wurde nach der Schauspielerin und späteren Sängerin Pia Zadora benannt.
Falco sagte einmal, „Wer sich an die 80er erinnern kann, hat sie nicht erlebt.“ Ich kann mich gut an sie erinnern – ich war Kind. In meiner Erinnerung waren die 80er zum einen grau (die Straßen und Gebäude waren trister und ungepflegter als heute), zum anderen so bunt, wenn man an den Stil dieses Jahrzehnts denkt.




Was möchtest Du in dieser Dekade hervorheben?
In den 80ern ging alles vorwärts. Ich hatte junge Eltern und ich habe gemerkt – die dachten nicht rückwärts. Es ging eine Befreiungswelle von politischen Systemen durch die Länder. Nie werde ich vergessen, wie wir 1989 vor dem TV-Gerät saßen und die Öffnungen der Grenzen miterlebten.
Ich glaube, in den 80ern begannen sich die Menschen stärker zu individualisieren. Sie hatten mehr und mehr das Gefühl, dass man seine Zukunft selbst gestalten kann.

Was sind Deine drei Lieblingssongs und Filme der Zeit?
Mein absoluter Lieblingsfilm aller Zeiten ist „Amadeus“ von Miloš Forman aus dem Jahr 1984. Geprägt hat mich „Der Club der toten Dichter“ von Peter Weir aus dem Jahr 1989, den ich erst in den 90ern als Teenager wahrgenommen habe. Er ist für dieses Alter genau richtig. Werner Herzogs „Fitzcarraldo“ (1982) ist für mich ein zeitloses Meisterwerk.
Die Neue Deutsche Welle hat mich damals begeistert – als Kind konnte ich mit den englischen Liedern ja noch nicht so viel anfangen. Wenn es um 80er-Lieder geht, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll – es war ein so expressiv kreatives Jahrzehnt in der Musik.
In die 80er fallen auch die Erfindung des Linn Drum Computers und des MIDI Formats. Die Erfinder beider Neuerungen durfte ich einmal kennenlernen und ihnen zuhören, was unheimlich faszinierend für mich war.

In der Gegenwart sind die 80thies in Musik, Mode, Kultur allgegenwärtig, woran liegt dieses Revival?
Der Stil von Jahrzehnten, die man persönlich verpasst hat, übt immer eine gewisse Faszination aus. Vielleicht ist die junge Generation deswegen gerade verrückt auf die 80er.
Oder war diese Zeit tatsächlich ganz besonders?
Es war das letzte weitgehend analoge Jahrzehnt – vielleicht trägt dies zur Faszination bei. Ich kann mich auch erinnern, in den 80ern (und auch 90ern), musste man so viel warten, ohne sich vom Smartphone ablenken zu lassen. Man wartete auf den Bus, beim Arzt, am Amt. Warten (und sich dabei zu langweilen) war etwas ganz Normales.

Wie siehst Du als Schauspielerin und Produzentin die Konzeption der Videoclips der 80thies?
Die Clips waren große Kunst. Selbst Anfang der 2000er-Jahre, als ich in die Branche einstieg, waren grafische Bearbeitungen am Bewegtbild noch sehr aufwändig. Wie arbeitsintensiv das wohl in den 80ern gewesen sein muss.
Große Videoclip-Klassiker waren natürlich „Land of Confusion“ von Genesis, das mit seinen Spitting Image Puppenfiguren große politische Botschaften trug.
„Take On Me“von a-ha und Michael Jacksons “Thriller” sind auch unvergesslich, oder?

In Wien, Österreich ist vor allem Falco der Superstar dieser Epoche? Was machte ihn als Künstler aus?
Über Falco wurde so viel geschrieben und philosophiert. Da kann ich wohl wenig dazu beitragen.
1999, ich war gerade 19 Jahre alt und junge Reporterin für’s Radio, durfte ich Falcos Mutter zwei Stunden in seiner ehemaligen Wohnung in der Wiener Schottenfeldgasse interviewen. Sie gab mir auch eine Führung. Im selben Jahr wurde Falcos „Europa“ posthum veröffentlicht. Ich war bei der Vorstellung für die Presse dabei. Ich mochte das Lied und mag es heute noch.

Was für mich so frappierend ist: Da hatte Österreich einen Weltstar und dieser ging nicht wirklich in die Welt hinaus.
Es gibt dieses Zitat von Falco: „Ich hätte oftmals Gelegenheit gehabt, nach Amerika zu gehen. Ich habe es nicht getan, weil das Schönste an der amerikanischen Fahne die rotweißroten Streifen sind.“ Wie bezeichnend.
Aber vielleicht konnten seine Werke auch nur die Österreicher so richtig begreifen.

Wie war Dein Weg zum Schauspiel, zur Musik und welche Station gab es da?
Ich wurde schon so oft gefragt: „Singst Du auch?“ Und ich denke mir nur „Um Himmels willen, besser nicht!“ 😊 Aber die Sprache und die Artikulation, die liegen mir im Blut. Ich begann meine Arbeit als Journalistin, schon während meiner Schulzeit schrieb ich für die Jugendseite der Oberösterreichischen Nachrichten. Dann wurde ich Reporterin und Moderatorin bei Life Radio, ging dann nach Wien, um für eine sehr starke Filmproduktionsfirma zu arbeiten.
Meinen ganzen beruflichen Weg zu zeichnen, sprengt fast den Rahmen. Es war immer sehr abwechslungsreich. Seit 2007 bin ich selbständig und arbeite als Sprecherin, Schauspielerin, Moderatorin und Produzentin.

Du hast auch in Los Angeles/USA gelebt, welche Erfahrungen hast Du da gemacht?
Im Gegensatz zu Falco habe ich die USA immer geliebt. Meine Zeit in Los Angeles hat mich geprägt. Die Stadt erfüllt nicht nur jedes Klischee, sie übertrifft sie alle. Los Angeles ist große Freiheit, unheimliche Kreativität und knallhartes Überleben.

Was sind Deine aktuellen Projekte?
Für eine TV-Krimi-Reihe durfte ich gerade für eine kleine, feine, durchgehende Rolle vor der Kamera stehen. Als Produzentin und Moderatorin warte ich gerade auf das Green Light für eine TV-Sendung. Und als Sprecherin stehe ich immer sehr viel vor dem Mikrofon.

Darf ich Dich abschließend zu einem Falco Akrostichon bitten?
Fabulously
Artistic
Last
Communication
Offline




Pia Raunjak, Schauspielerin, Produzentin und Moderatorin
Station in den 80thies _
Pia Raunjak, Schauspielerin, Produzentin, Moderatorin,
Werbe- und Synchronsprecherin

Alle Fotos & Interview _ Walter Pobaschnig
Vielen Dank an das Hotel „Jaz in the City Vienna“ für die freundliche Kooperation!