
Christine Lavant, (Christine Habernig, geb.Thonhauser; * 4. Juli 1915 Großedling bei St. Stefan im Lavanttal/Kärnten; † 7. Juni 1973 Wolfsberg) ist eine der faszinierendsten Stimmen der deutschsprachigen literarischen Moderne. In einer ganz außergewöhnlichen Bildsprache, die sie gleichsam der Natur entreißt und mit der schreienden Seele gen Himmel und Erde wirft, akzentuiert Christine Lavant das lyrische Sprechen völlig neu. In ihren Gedichtbänden „Die Bettlerschale“ (1956), „Spindel im Mond“ (1959) und der „Pfauenschrei“ (1962), alle Otto Müller Verlag, erschüttert ein radikal existentielles Schreiben, das mit den religiösen, metaphysischen Modellen von Mensch, Welt, Gott ringt und diesen mutig und schonungslos Schmerz und Leiden aus der Dunkelheit der Einsamkeit hervorholt und im flackernden Lebenslicht entgegenhält. In ihrer ästhetischen Wucht und Individualität ordnet sich Lavant in ganz große Stimmen der Moderne in Literatur, Kunst ein.
Ebenso ist ihr erzählerisches Werk von einer Aufmerksamkeit, Radikalität und Originalität gekennzeichnet, welche den Menschen in seinen Lebensbezügen, die erschütternd, zerstörerisch sind, vor den Vorhang des Nicht-Gesehen-Werdens, Verdrängten, stellt und schonungslos das zu Erleidende aufzeigt. Auch da ordnet sich Lavant in ganz große Namen der Literatur ein.
Die unmittelbare Lebenswelt ist für Lavant, die unerschöpfliche wie notwenige Quelle des Schreibens. Es ist die vertraute wie schwere, dunkle, leidvolle und ausweglose Welt gesellschaftlicher Rolle und Ordnung, welcher der Mensch ausgeliefert ist. Besonders der Mensch in schwierigsten sozialen, wesentlich von der Geburt bestimmten, Lebensverhältnissen.
In welchem biographischen, gesellschaftlichen und zeitgeschichtlichen Rahmen ist nun das Schreiben der vielfach ausgezeichneten und mit 58 Jahren verstorbenen Kärntner Schriftstellerin zu sehen? Welche Quellen, Lebenszeugnisse wie Zeitzeugenberichte gibt es dazu?
Klaus Amann, bis 2014 Professor für Neuere Deutsche Literatur, Gründer und langjähriger Leiter des Robert-Musil-Instituts für Literaturforschung der Universität Klagenfurt sowie des Kärntner Literaturarchivs, legt nun eine spannende wie erstaunliche Fülle von Lebenszeugnissen in Wort&Bild vor, die als sehr beeindruckend zu bezeichnen ist. Darunter sind etwa die Krankenhausakte, die Portraits von Werner Berg oder der ausgedehnte Briefwechsel mit Schriftsteller:innen.
„Christine Lavant unplugged – eine sehr spannende biographische Reise in Wort&Bild zu einer der faszinierendsten wie bedeutendsten Stimmen moderner Literatur!“
CHRISTINE LAVANT „Ich bin maßlos in allem“. Biographisches
Ausgewählt und kommentiert von Klaus Amann. Unter Mitarbeit von Brigitte Strasser.
Wallstein Verlag
455 S., 102 z.T. farb. Abb., geb., Schutzumschlag, 14 x 22,2 cm
ISBN 978-3-8353-5532-3
€ 34,00 (D) / € 35,00 (A)
Alle Preise inkl. MwSt zzgl. Versandkosten
Erscheinungsdatum: 13.09.2023
»Ich bin maßlos in allem« – Christine Lavant | Wallstein Verlag (wallstein-verlag.de)
Walter Pobaschnig 11/23