„Gute Literatur ist wie eine gute Umarmung, mehr nicht, nicht weniger“ Klaus Ungerer, Schriftsteller _ Berlin 12.11.2023

Lieber Klaus Ungerer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufwachen. Kaffee. Melvyn Bragg. Roman schreiben. Texte schreiben, Bewerbungen schreiben, Anträge schreiben, Hund. Überlegen, wo noch Geld herkommen könnte. Die Geliebte küssen. Die Geliebte drücken. Mails verschicken, Mails abnicken. Fluchen wegen irgendwas. Hund. Tochter. Ozzy Man, Mary Beard, Amala Ekpunobi. Hertha BSC. Die Geliebte streicheln. Auf morgen freuen. Melvyn Bragg.

Klaus Ungerer, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich finde ja immer wichtig, dass man sich vor Scheinsubjekten wie „wir alle“ in Acht nimmt. Sie können nicht anders als dich belügen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Jeder Tag ist ein Neuanfang, wieso heute besonders? Kunst und Literatur sollten jeder Rollenzuschreibung zu entgehen trachten, sollten jedem diskursiven Auftrag zu entgehen trachten, denn sie sind keine Ersatzreligionen und keine Ersatzpolitik. Gute Literatur ist wie eine gute Umarmung, mehr nicht, nicht weniger.

Was liest Du derzeit?

Laura Spinney: Pale Rider

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Etwas Besseres als den Tod findest Du überall.“

(aus den „Bremer Stadtmusikanten“)

Vielen Dank für das Interview, lieber Klaus, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Klaus Ungerer, Schriftsteller

Zur Person _ Klaus Ungerer, Schriftsteller. Wuchs auf in Lübeck, wurde von Frank Schirrmacher als Feuilletonredakteur zur FAZ geholt, lebt heute als Schriftsteller in Berlin. Seine Liebesnovelle „Wir sagen einfach alles, wovor wir Angst haben“ benannte die „Welt am Sonntag“ 2022 als „Das Beste Buch“.

„Die Liebe in Berlin: Tim und Nuna. Nuna und Tim. Beim Chatten läuft Nunas Waschbecken über. Dann treffen sie sich, in Fried­richshain. Etwas passiert in Tim, schon auf 50 Meter Entfernung. Nuna sagt, Beziehung kann sie nicht, erfahrungsgemäß, wir wol­len es Das Experiment nennen. Tim will ihr zeigen, dass er brennt – aber brennt er? Tim fühlt sich erst sicher, wenn Nuna mit ihm schläft. Nuna schläft erst mit Tim, wenn sie sich sicher fühlt. Tim fragt: Gibt es eine Chance, dass ich in 20 Jahren noch in deinem Leben bin? Da lacht Nuna…“

Klaus Ungerer: Wir sagen einfach alles, wovor wir Angst haben. edition schelf. 2022

Softcover: 112 Seiten, 12,99 €,
ISBN 9783757507213

https://editionschelf.wordpress.com/2022/07/18/klaus-ungerer-wir-sagen-einfach-alles-wovor-wir-angst-haben/

Foto_ Anusch Thielbeer

Walter Pobaschnig _ 1.11.2023

https://literaturoutdoors.com

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