Werner Kofler, Kommentierte Werkausgabe (Band 4 und 5). Hörspiele, Lyrik, Kurzprosa, dramatische Texte. Herausgegeben von Claudia Dürr, Herausgegeben von Wolfgang Straub. Sonderzahl Verlag.   

Werner Kofler, 1947 in Villach als Sohn eines Kaufmannes geboren und nach abgebrochener pädagogischer Ausbildung als Schriftsteller bis zu seinem Tod 2011 in Wien tätig, ist einer der herausragendsten Autoren deutschsprachiger Literatur und sein Werk eines der vielfältigsten.

Die Werkausgabe in fünf Bänden, deren Bände vier und fünf nun vorliegen, ist eine herausragende Leistung in Text und Kommentar der HerausgeberInnen Claudia Dürr und Wolfgang Straub wie des Sonderzahl Verlages in seiner Ermöglichung und Gestaltung.

Im Band 4 steht das umfangreiche Hörspielwerk im Mittelpunkt, welches seit den 1970er Jahren zu seinem literarischen Schwerpunkt an den Schnittstellen von Text und Hör-Inszenierungssetting zählt. Das Hörspiel erfordert ganz bestimmte Textebenen, die gleichsam unmittelbar im Hören das Bild und eine Erzählfolge, Kammerspiel vor Augen setzen und dieses intensiv miterleben lassen. Kofler hat dies besonders geschätzt, worauf die umfangreichen Konzeptionen schließen lassen, die auch gerade den besonderen Stil Koflers, in direkter Sprache, Satire ein Hörspiel Dramolette mitreißend tragisch wie brillant zu verfassen, markant ausdrücken. Kurz, knapp, treffend, wird Kritik auf den Punkt gebracht und gesellschaftliche Eitelkeiten werden schonungslos entlarvt. Der Literaturbetrieb selbst steht da auch immer wieder im Mittelpunkt. Etwa wenn Kofler im Hörspiel „In der Hauptstadt der Literatur“ die gnadenlose Jury einer Preisvergabe mit scharfem Witz und Kritik in ein Hörspiel setzt:

„Bürgel: Das Preisgericht!

…….

Erlanger:…wer solche Prosa schreibt, ist entweder ein Narr oder ein Kind oder ein gefährlicher Mensch!

Leichte Unruhe im Publikum.

Klamm (zu K.): Jetzt haben wir sie ganz schön zerzaust. Möchten Sie noch etwas sagen?

K: ….Ich sage nicht, dass es ein liederliches Verfahren ist, aber ich möchte ihnen diese Bezeichnung zur Selbsterkenntnis angeboten haben…“

Die Verweise auf den Klagenfurter Bachmannpreis der 1970er Jahre und die Erzählung „Der Prozess“ Franz Kafka sind Referenzen mit denen Kofler hier in unverkennbarer Art satirisch einmalig arbeitet und gesellschaftliche Verfasstheiten, Mechanismen und Zusammenhänge schonungslos offenlegt.

Im fünften Band wird das lyrische Werk vorgestellt, das die Anfänge seines Schreibens charakterisiert und mit dem der Schriftsteller, der 2008 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet wird, um 1970 bricht (wie Ingeborg Bachmann um 1960). Der Lyriker Kofler, noch weitestgehend unentdecktes literarisches Land, stellt sich dabei an den formalen Schnittstellen von reduzierter, gleichsam wie bei einer Zugsfahrt vorbeiziehender Ortsbezeichnungen, Bildkraft und Sprach-Experiment in inhaltlicher Auseinandersetzung mit Leben, Herkunft, Gesellschaft als starke, selbstbewusste poetische Stimme vor. Die Werkausgabe bietet auch hier in der ausgezeichneten Darstellung/Kommentierung eine wunderbare Grundlage für weitere Zugänge.

Notizen, Kurzprosa, dramatische Texte runden diesen Schlussband ab und geben überraschende wie spannende Einblicke in Textstudien, Inspirationen, Stellungnahmen, Eintragungen, welche die so hochwertige qualitative Fülle des Werkes des vielfach ausgezeichneten doch nach wie vor nicht so präsenten Schriftstellers, herausragend in Text und Kommentar vorstellen.

„Eine hervorragende Werkausgabe – Werner Kofler in jenem Licht, wie es sein sollte!“

Werner Kofler, Kommentierte Werkausgabe (Band 4 und 5). Hörspiele, Lyrik, Kurzprosa, dramatische Texte. Herausgegeben von Claudia Dürr, Herausgegeben von Wolfgang Straub. Sonderzahl Verlag.   

1378 Seiten,14 x 22 cm

gebunden

Juni 2023

ISBN 978-3-85449-626-7

€80,00

Walter Pobaschnig  10/23

https://literaturoutdoors.com

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