Liebe Magdalena Kratzer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufstehen, in die Schulbibliothek fahren, die ich leite, die wunderbaren neuen Jugendbücher bewundern und sie ins Ausleihsystem einpflegen, Schüler*innen beim Lesen, Basteln und Chillen in der gemütlichen Leseecke beaufsichtigen, ihnen tolle Bücher nahebringen und ausleihen, die Mittagsaktivität „Leseclub“ durchführen.
Danach ab ins Café und in der warmen Atmosphäre des Kaffeehauses an Romanen und Gedichten schreiben.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Immer wichtig: Erden, ab auf die Wiesen und in die Wälder, seinen inneren Brunnen mit schönen Bildern und Naturerfahrungen füllen. Durchatmen. Gedichte lesen. Kaffee trinken. Die Nase von der Herbstsonne kitzeln lassen. Gut zu sich sein und dadurch zu anderen. Freundlichkeit. Ein warmes Lächeln. Den Flug der Libellen beobachten. In Sonnenblumenfeldern baden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?
Kunst entführt in andere Welten, rüttelt auf, versöhnt, gibt Denkimpulse, setzt Dinge und Sichtweisen in neue Zusammenhänge, schafft Identifikation mit Figuren (zB. Romanfiguren) und dadurch Empathie. Alles was Empathie und Freundlichkeit fördert, ist sehr wichtig heutzutage. Außerdem hat Kunst die Kraft Visionen zu schaffen. Eine Vision von einer besseren Welt zum Beispiel. Sehr wichtig: Harmonische Gegenbilder zu den Grauen der Realität malen – aus der bunten Farbpalette des Lebens. Immer und Jetzt.
Was lesen Sie derzeit?
„Das Bücherschiff des Monsieur Perdu“ von Nina George
Welches Zitat, welche Textstelle möchten Sie uns mitgeben?
„In uns selbst liegen die Sterne des Glücks“ von Heinrich Heine

Vielen Dank für das Interview, liebe Magdalena, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Magdalena Kratzer, Schriftstellerin
Zur Person _
Magdalena Kratzer, 1982 geboren in Landshut, hat soziale Arbeit in Nürnberg, Theater- und Medienwissenschaften und Germanistik in Erlangen studiert. Danach folgte das Studium der Dokumentarfilmregie in Berlin. Seit 2016 wohnt und arbeitet sie in Nürnberg. Sie leitet die Schulbibliothek eines Nürnberger Gymnasiums und liebt es, als Bibliothekarin und Literaturvermittlerin in Schüler*innen die Begeisterung für Bücher zu entfachen. In den letzten Jahren hat sie an diversen Schreibwerkstätten und Lesungen mit anderen Autor*innen teilgenommen.
Derzeit arbeitet sie an vier verschiedenen Romanprojekten. Im Rahmen ihres Projektes „Lyrik to go“ tippt sie auf Kulturfestivals persönliche Gedichte für Fremde auf ihrer Schreibmaschine.
Fotos_privat
Walter Pobaschnig _ 10.10.2023