Station bei Malina _ „Melancholisch-Schön“ Pia Schiel Schauspielerin _ Berlin/Wien 8.10.2023

Pia Schiel Schauspielerin _ acting Malina
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Pia Schiel Schauspielerin _ acting Malina
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

50 Jahre – Malina – 1971 – 2021 – Roman _ Ingeborg Bachmann

Liebe Pia Schiel, wir sind hier an literarischen Bezugsorten des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann in Wien. Sind Dir die Orte hier vertraut?

Im Nachhinein kann ich mich an ein Mal erinnern, als ich durch diese Straße gegangen bin. Damals wusste ich allerdings noch nichts davon, dass dies der Schauplatz von „Malina“ ist. Es war nach einer Probe für ein Studentenstück, es war Sommer, und wir sind zur Landstraße gegangen, um uns etwas zum Essen zu holen. Good Times.

Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann und dem Roman Malina?

Auf einer viel zu langen Autofahrt nach Würzburg habe ich zum ersten Mal Manila gelesen, angeregt durch eine Literaturstudentin, die neben mir saß. Ich kann mich sehr in die Zerrissenheit hineinfühlen, die die Protagonistin beschreibt, dieses Verloren-Sein zwischen einem Mann und der Welt.

Welche Eindrücke hast Du von den Schauplätzen in der Ungargasse, die wir besucht haben?

Sie hatten alle etwas sehr Wienerisches, etwas Melancholisch-Schönes.

Gab es in Deinen Schauspielprojekten bisher Berührungspunkte zu Ingeborg Bachmann?

Leider nicht!

Wie war Dein Weg zum Schauspiel?

Ich will schon länger Schauspielerin sein, als ich denken kann. Nach der Schule habe ich kurz mit dieser Entscheidung gehadert, doch dann war ich bei dem Handballmatch meiner kleinen Schwester, und habe all diese Menschen beneidet, die etwas mit solcher Leidenschaft machen. Und da fiel mir wieder ein, warum ich Schauspielerin werden wollte.

Was wünscht Du Dir für Deinen Beruf als Schauspielerin?

Ich sehe es so: Meine Kunst, mein Schauspiel, meine Musik, mein Tanz, meine Texte, sind Geschenke, kostbare Geschenke, die mir die Welt gemacht hat. Ich wünsche mir, diese Geschenke mit anderen Menschen zu teilen zu können, ihre Seele zu berühren und ihnen Freude zu bringen.

Du lebst jetzt in Berlin. Wie bist Du angekommen, was schätzt Du besonders hier?

Berlin ist eine Stadt, die dich dazu einlädt, dich zu verlieren. Ich war allerdings schon verloren, als 23-jährige Schauspielerin, frisch aus der Ausbildung, und wollte nur gefunden werden. Und das wurde ich auch, allerdings nicht in dieser Stadt. Ich schätze vor allem die vielen vietnamesischen Restaurants und den mitreißenden, wunderbaren Techno, den ich so vorher noch nicht kannte.

Welches Lieblingscafè gibt es für Dich in Berlin?

Es gibt ein Café am Holzmarkt. Drinnen spielt schöner, wummernder Techno, die Kellnerin sieht immer verschlafen aus, und die Mitarbeiter*innen und Gäste des Kater Blau, des Clubs gleich gegenüber, kommen Morgens, um sich einen Kaffee zu holen. So jedenfalls habe ich das Café erlebt. Für mich spiegelt das eine sehr schöne Seite Berlins wider.

Wie sieht es mit den Arbeitsmöglichkeiten im Schauspielbereich in Berlin aus und welche Projektpläne gibt es?

Es fiel mir schwer, an die lokale Schauspielszene Anschluss zu finden. Es wartet allerdings ein Theaterprojekt in Leipzig auf mich. Außerdem bin ich gerade dabei, mein eigenes Stück zu schreiben: Über Melancholie und Saudade, weil mich ersteres Gefühl so sehr ausmacht und ich zweiteres im Vergleich und Kontrast dazu so interessant finde.

Was verbindet und unterscheidet Berlin und Wien in Leben und Kunst?

Ich habe früher immer gesagt, Wien ist wie Berlin, nur braver. Und ich finde, das stimmt auch. Berlin ist wild und ungezähmt, sie passt nicht auf dich auf, wenn du nicht mithalten kannst. Ich war vor drei Jahren schon einmal hier, vollkommen heart-broken und verzweifelt, und ich fühlte mich endlich geheilt und frei in dieser Stadt, die diese Stimmung sehr schön wiederspiegelt. Wien dagegen ist, zumindest meines Empfindens nach, viel liebevoller. Alles ist ein bisschen langsamer, ein bisschen gemütlicher, ein bisschen behüteter.

Hättest Du mit Ingeborg Bachmann gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?

Ich hätte sie gefragt, ob sie mir ihr Wien zeigen kann.

Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?

Mach

Allen

Leuten

Irgendwas

Nach

Amen

Pia Schiel Schauspielerin _ acting Malina
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971

im Interview und szenischem Fotoportrait_acting Malina

Pia Schiel Schauspielerin _ Berlin/Wien _

2023 _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Interview und alle Fotos_Romanschauplatz _ Malina_Wien _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 9_23

https://literaturoutdoors.com

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