Liebe Ana Topalovic, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf ist nie gleich. Ich bin eine freiberufliche Künstlerin, die in viele Projekte involviert ist. Ich bin Mutter einer 4-jährigen Tochter, und mein Mann ist oft auf Konzertreisen. Ein paar feste Punkte haben wir bereits.
Morgens genieße ich entspannten Kaffee und Kuschelzeit mit unserer Kleinen, bevor ich mit meiner Arbeit beginne. Vormittags und abends habe ich die beste Konzentration, die ich für intensives Arbeiten nutze.
Abends spiele ich oft Konzerte, gefolgt von meiner Abendroutine: Abendessen, Aufräumen, Freizeit und kreatives Arbeiten, zum Beispiel das Komponieren.
Danach plane ich meinen nächsten Tag und mache eine kurze Meditation

(Multi)Cellistin – Komponistin – Pädagogin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Die offensichtlichen Antworten wären: Klimaziele erreichen, mehr Toleranz und Empathie, KI unter Kontrolle halten, Umgang mit Fake News, das Bildungssystem aktualisieren… Es handelt sich um eine lange Liste, daher erfordern komplexe Probleme auch komplexe Lösungen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
In Zeiten des gesellschaftlichen und persönlichen Wandels spielen Musik und Kunst eine entscheidende Rolle. Sie ermöglichen uns, Emotionen auszudrücken, Kreativität zu fördern und Inspiration zu finden. Darüber hinaus schaffen sie Verbindungen zwischen Menschen verschiedener Hintergründe und helfen uns, Sinn und Identität inmitten des Wandels zu bewahren. Musik und Kunst sind somit unverzichtbare Begleiter auf unserem Weg zu neuen Anfängen.

Was liest Du derzeit?
Harari: 21 Lessons for the 21 Century
Pamuk: Istanbul
Juul: Your Competent Child
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„let the waters settle and
you will see the moon and the stars mirrored in your own being. “ Rumi

(Multi)Cellistin – Komponistin – Pädagogin
Vielen Dank für das Interview, liebe Ana, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Ana Topalovic, (Multi)Cellistin – Komponistin – Pädagogin
Zur Person _ Ana Topalovic, seit ihrem ersten öffentlichen Auftritt im Alter von 10 Jahren tritt Ana Topalovic regelmäßig bei renommierten Festivals und in Konzerthäusern: Wiener Konzerthaus, Wiener Musikverein, Carnegie Weil Hall, Salzburger Festspiele, Berliner Konzerthaus, Gasteig München, Tokyo Opera City House, Centro Cultural Kirchner, Opatija Music Tribune, Cluj Modern, SIMN Bukarest, Meridian Festival, und viele mehr. Sie war in 29 Ländern auf 4 Kontinenten tätig.
Ana Topalovic setzt sich als Cellistin keine Grenzen. Ihr Repertoire reicht von Sololiteratur und Kammermusik, bis zu interdisziplinärer und zeitgenössischer Musik mit elektronischen Sounds. Anas letztes solo Album “Bachiana” (2022) wurde in 3 Kategorien für den Opus Klassik Preis nominiert. Ihre Diskografie umfasst derzeit 10 Alben mit Musik für Violoncello solo von J.S. Bach, J. Doderer, S. Gubaidulina, K. Saariaho, D. Rotaru, C. Ioachimescu, A. Di Scipio, über 30 Ersteinspielungen, Tangos mit Erwin Schrott, sowie ihre eigene Kompositionen; erschienen bei den Labels Hänssler, Neos, Capriccio, Paladino und Sony.
Durch ihre intensive Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik entstanden etliche
persönliche Kollaborationen mit renommierten Komponist:innen des 21. Jahrhunderts wie T.
Larcher, F. Cerha, J. Doderer, G. Proy, R. Clemencic, G.F. Haas, G. Resch oder M. Ferek-Petric in Form von Uraufführungen, Widmungen und gemeinsamen musikalischen Arbeiten.
Von der Vielseitigkeit ihres Instruments inspiriert, tritt sie vermehrt als Komponistin eigener Werke auf. Sie sucht nach verborgenen musikalischen Schnittstellen zu anderen Denk- und
Kunstrichtungen was daran liegt dass sie eine visuelle Synästhetikerin ist.
Ihre Werke hat sie in der Carnegie Weil Hall, im Gasteig München, Prinzregententheater, Posthof Linz, Wiener Konzerthaus u.a. aufgeführt. Für ihre Interpretation “Das Buch” von P. Vasks erhielt sie den Sonderpreis der IBLA Foundation. Sie war die Solistin bei der österreichischen Erstaufführung von “Die Tochter des Mondes – Moravac & Finale” von A. Sedlar für Cello und Orchester im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins.
Ana Topalovic spielte mit Partnern wie E. Schrott, Janoska Ensemble, J. Stancul und C. Pichler. Sie tritt mit verschiedenen Orchestern auf wie Filharmonia Oradea, Camerata Internacional, Filharmonia Oltenia Orquesta Nacional de Música Argentina u.a.
Ana Topalovic ist Mitgründern von Green Thing Ensemble Wien mit dem Sie über 30
Auftragswerke und Uraufführungen gespielt hat. Sie haben mit der Zürcher Hochschule der
Künste an dem Projekt “Polytempo” zusammengearbeitet.
MULTICELLO: wenn ein einziges Cello live zum Orchester wird.
Ana Topalovic entwickelte die Multicello-Technik durch die Zusammenstellung verschiedener
digitaler Tools, in Kombination mit dem analogen Cello sowie einem 5-saitigen elektronischen Cello. Die Musik kann so von der akustischen Einstimmigkeit des Cellos zum hybriden Orchesterklang in verschiedensten Nuancen live heranwachsen. Ihr ist es wichtig, mit dieser Musik auch aus dem rein klassischen Konzertsetting heraustreten zu können und mit minimalen und hoch-mobilen Equipment an mitunter auch unerwarteten Orten auftreten zu können.
Ana Topalovic ist Dozentin für Violoncello und Moderne Spieltechniken am Richard Wagner
Konservatorium Wien. Sie leitet das Wiener Cello Studio und online Lernplattform Vienna Cello Masterclass.
Ana ist Ehren-Gastprofessorin am “Jose Hernandez” Konservatorium in Buenos Aires
und als Jurorin bei mehreren Musikwettbewerben tätig.
Als Musikvermittlerin (Cello, Komposition, Musik-Konzept) spielte sie bei den Projekten des
Jeunesses, im Wiener Musikverein, Mozart Haus und bei mehreren Musikfestivals. Sie ist
Gründerin und künstlerische Leiterin des Festival Treff • Kunst in Wien.
Ana Topalovic wurde in Belgrad, Serbien geboren und zog als 17-jährige nach Wien. Klavier- und Cellounterricht erhielt sie bereits in sehr jungen Jahren. Sie begann das Konzertfach-Studium am Konservatorium der Stadt Wien bei J. Bayrov. Danach studierte sie bei M. Kliegel an der Hochschule für Musik in Köln und absolvierte das Masterstudium am Konservatorium Wien Privatuniversität bei M. Hornstein und L. Schulz-Bayrova. Während dieser Zeit gewann sie mehrere Preise bei verschiedenen Wettbewerben wie z.B. IBLA Grand Prize (über 400 Bewerber in einem multisparten Wettbewerb). Ana und ihre Projekte wurden mehrfach von Thomastik-Infeld, Kulturabteilung der Stadt Wien und Österreichischen Bundesministerium für Kultur (bmkoes) unterstützt.
Fotos_1&3 Ionut Macri; 2 Kiwai Chan.
Walter Pobaschnig _ 6.9.2023