Liebe Iris Antonia Kogler, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich gehe einen Teil der Woche einer geregelten Arbeit nach, was mir als Schriftstellerin sehr wichtig ist. Ich bewundere Kolleginnen und Kollegen, die ausschließlich schreiben. Ich kann das nicht, mir fällt nach spätestens vier Tagen die Decke auf den Kopf.
Ich habe mir ganz bewusst eine Tätigkeit gesucht, bei der ich nicht am Schreibtisch sitzen muss. Ich gleiche meine Arbeit als Schriftstellerin durch einen Arbeitsplatz aus, an dem ich ständig in Bewegung sein darf. Ich stehe an Werkbänken, ich schraube Dinge zusammen, löte mal was oder mache Verkabelungen. Das gibt mir die nötige Ruhe, die ich als Schriftstellerin brauche.
Momentan schreibe ich an einem neuen Roman und mache zusammen mit einer Illustratorin ein Konzept für eine Graphic Novel.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ruhig bleiben und ein stabiles soziales Umfeld. Es ist viel Unruhe in der Welt und die Medien und sozialen Netzwerke reagieren sehr schnell auf alles. Der Umgangston ist unfreundlicher geworden, es gibt viele Fehlinformationen und gezielte Lügen. Für mich ist wichtig, dass ich mich außerhalb von all dem mit Freunden und der Familie treffe und mich mit ihnen austausche. Gespräche helfen gegen die Unruhe in der Welt. Ein stabiles soziales Umfeld hilft mir ungemein, wenn mir die Welt zu laut wird.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Das ist eine schwierige Frage, die ich so nicht beantworten kann. Literatur und Kunst sind oft erst im Nachhinein einordbar in die Historie. Kunst und Literatur kann und darf alles sein. Kritisch, unterstützend, laut, leise, persönlich, verallgemeinernd. Kunst ist ein Abbild, eine Spiegelung dessen, was geschieht.
Was liest Du derzeit?
Das Mantra-Buch von Eknath Easwaran. Ich habe es durch einen Vortrag der großartigen Vera F. Birkenbihl entdeckt. Es geht in dem Buch darum, den Geist durch die Verwendung eines Mantras zu beruhigen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Hermann Hesse sagte: „Manche Leute glauben, Durchhalten macht uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen.“ Dieser Satz ist sehr wahr. Ich habe es erlebt, mehr als einmal. Loszulassen ist sehr heilsam, allerdings ist der Weg bis zum Moment des Loslassens oft sehr schwer. Das ist auch das Thema des Romans, an dem ich gerade schreibe. Ein solches Buch zu schreiben ist auch eine Form des Loslassens.
Vielen Dank für das Interview liebe Iris Antonia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Iris Antonia Kogler, Schriftstellerin, Dramaturgin
Zur Person__ Iris Antonia Kogler wurde 1977 geboren. Nach einer Ausbildung zur Theaterdramaturgin arbeitete sie einige Jahre im Kulturbereich und ist heute neben ihrer Schriftstellerei auch als Lehrkraft für kreatives Schreiben, Schreiben für Theater und Roman tätig. 2018 veröffentlichte sie die Kurzgeschichtensammlung „Von Menschen“ sowie den Roman „221 Tage“. 2019 folgte der Roman „Meerestiere“, 2023 „Inside Underdog“ (Mirabilis Verlag).
2016 gewann Iris Antonia Kogler den Spezialpreis für Science-Fiction beim Literaturwettbewerb Stockstadt, 2017 den ersten Preis dort. 2020 stand sie mit ihrem Roman „221 Tage“ auf der Shortlist des Tolino Media Newcomerpreises. 2022 erhielt Sie den dritten Preis beim Moerser Literaturwettbewerb.
Aktueller Roman_Iris Antonia Kogler: Inside Underdog _Backstage-Notizen

Iris Antonia Kogler: Inside Underdog Backstage-Notizen
In der Reihe: Schöne Bücher Bibliothek. Edition der unabhängigen Verlage
Mirabilis Verlag, 01.09.2023
ISBN 978-3-947857-22-7
Hardcover, Fadenheftung, 100 Seiten
Umschlaggestaltung: Jens Korch
Preis: 16 €
Foto_privat
2.8.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
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