Liebe Edda Petri, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Weil mein Beruf ja ein sehr abwechslungsreicher ist, ist auch mein Tagesablauf -Gott sei Dank! 😊– nie gleich. Im Moment habe ich viele Einsätze als Synchronsprecherin für den deutsch-französischen TV-Sender arte. Auch betreue ich ein Soziokulturprojekt mit benachteiligten Kindern und inszeniere mit ihnen Kindermusicals. Daneben kommt natürlich auch meine Tätigkeit als Bühnenkünsterin nicht zu kurz. Ich spiele aktuell das Stück „Peggy Guggenheim-Woman before a Glass“ von Lanie Robertson, das ich selbst übersetzt habe. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meinen Kindern, ich habe 2 Söhne, und mache lange Spaziergänge mit meinem Hund (einem Collie).

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir müssen mit Entschiedenheit antidemokratischen Tendenzen in unserer Gesellschaft entgegen treten und wieder zu mehr WIR-Gefühl kommen. Ich beobachte mit Sorge, wieviel rauer und auch intoleranter der Ton in Diskussionen geworden ist. Ich wünsche mir von allen Seiten ein besseres Zuhören können.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Theater war immer ein Raum des Zusammenrückens und der Auseinandersetzung und Konzentration auf Themen, die uns alle angehen. Ich glaube aber, dass es wichtig und richtig ist, dass die Institutionen Theater/Museen/Festivals sich mehr öffnen, also mehr aktiv auf die Menschen/Besucher zugehen und sie auch .B. in Jugendtheater-Clubs integrieren und an Entstehungsprozessen lassen. Der Theaterbesuch gehört nicht mehr „automatisch“ zur Freizeitgestaltung von heute mit dazu, sondern wir sollten die Menschen wieder dazu „verführen“.
Was liest Du derzeit?
John Irvings Roman: „Der letzte Sessellift“ und Robert Seethaler:“Das Café ohne Namen“
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Schauspieler sollen die Zuschauer nicht belehren, sondern berühren.“
Vielen Dank für das Interview liebe Edda, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Edda Petri, Schauspielerin
Zur Person _ Edda Petri absolvierte ihre Schauspielausbildung in München. Parallel hierzu erhielt sie Gesangs- und Tanzunterricht. Schon während ihrer Ausbildung spielte sie an den Münchner Kammerspielen in Dieter Dorns Faust. Nach einem ersten dreijährigen Festengagement am Pfalztheater Kaiserslautern, spielte sie erneut an den Kammerspielen in München, diesmal in der Uraufführung von Herbert Achternbuschs „Auf verlorenem Posten“ an der Seite von Edgar Selge und Lambert Hamel. Im Anschluss hieran wirkte Edda Petri auch in zwei Kinofilmen von Achternbusch mit. Von 1991-1995 war sie Ensemblemitglied am Saarländischen Staatstheater; bis 1996 spielte sie dort noch als Gast. Seit 1996 arbeitet sie freischaffend. Sie war Mitglied der Geschäftsleitung der Musik & Theater Saar GmbH und Dramaturgin und Programmchefin der „Oper im Zelt“ in Merzig. Edda Petri ist bekannt aus zahlreichen Film- und TV-Produktionen (u. a. Tatort, Ein Fall für 2, RTL Stadtklinik, Balko, Zeit der Monster) und spielte an zahlreichen Theatern wie dem Grand Theâtre Luxemburg, dem Theater Trier, dem Theâtre des capucins, Kaleidoskoptheater und dem Mierscher Kulturhaus in Luxemburg,dem Admiralspalast Berlin, am Theater 11 in Zürich und im Museumsquartier in Wien.
Seit 2013 arbeitet sie auch im Bereich Musiktheater und war Musicaldarstellerin u.a. als Audrey in „Der kleine Horrorladen“, Janet und Magenta in der „Rocky Horror Show“, Jenny in Bertholt Brechts „Dreigroschenoper“, Velma van Tussle in „Hairspray“, Fürstin Anhilte in „Die Csardasfürstin“, sowie Violet in der deutschen Erstaufführung von Dolly Parton’s Musicalkomödie „9 TO 5“. In der Rolle der Morticia ging sie mit der „Addams Family“ mehrere Jahre auf Tour. 2016 sang und spielte sie unter der Regie von Claude Mangen, die Hauptrolle der Sally Adams in Irving Berlins Musical „Call me Madam“ in englischer Sprache.2022 wr sie Mitglied des Korso.Op. Kollektivs und spielte das Stück“Bang,Bang Tender“in Saarbrücken. Aktuell tourt sie mit dem Solostück „Peggy Guggengeim- Woman before a glass“ durch Deutschland.
Darüber hinaus ist Edda Petri auch als Sprecherin für Hörfunk / Hörspiele sowie als Synchronsprecherin für arte tätig.
Foto_privat
20.7.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.