„dass wir als Gesellschaft auf Unangenehmes hinschauen“ Katrin Bernhardt, Schriftstellerin _ Bad Fischau-Brunn/AUT 23.6.2023

Liebe Katrin Bernhardt, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe gegen 9 Uhr auf, trinke einen Kaffee, und strukturiere währenddessen gedanklich meinen Tag, wobei ich immer eine gute Balance zwischen Verpflichtungen und Mußezeit zu finden versuche.

Da ich nicht nur als Schriftstellerin, sondern auch als bildende Künstlerin tätig bin, kann ich mich für das Schreiben freimalen und fürs Malen freischreiben.

Ich arbeite dann mit Pausen bis zum Abend an meinem Projekten, manchmal auch bis spät in die Nacht hinein, wenn ich gerade im Flow bin. An manchen Tagen treffe ich auch Kooperationspartner:innen oder gehe am Abend zu einer Lesung oder Vernissage.

Katrin Bernhardt, Schriftstellerin, Musikerin, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Anzuerkennen, dass wir viel mehr gegen die Klimakatastrophe unternehmen müssen, und das weit schneller als bisher.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Meines Erachtens muss Kunst der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten, auch das Verdrängte thematisieren und die kollektiven Schatten aufzeigen.

Für mich und meine Arbeit ist die Auseinandersetzung mit gender, Geschlechterrollen, Weiblichkeit und dem Menstruationstabu sowie mit Ritualen und dem Tod besonders wichtig.

Für einen Aufbruch und Neubeginn würde ich mir wünschen, dass wir als Gesellschaft auf Unangenehmes hinschauen, Ambivalenzen aushalten, Lösungen suchen – und uns dabei nicht von einfachen Antworten und populistischen Parolen blenden lassen.

Was liest Du derzeit?

Gertraud Klemms Roman „Einzeller“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wenn wir der Wahrheit näher kommen, ist Angst eine natürliche Reaktion.

Pema Chödrön

Vielen Dank für das Interview liebe Katrin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Katrin Bernhardt, Schriftstellerin, Musikerin, Künstlerin

Zur Person_Katrin Bernhardt, geb. 1982, Studium der Klassischen Archäologie und Philosophie an der Universität Wien, Promotion. arbeitete als PR-Assistentin, Archäologin, Lehrerin an einer Mittelschule und Projektentwicklerin

seit 06/ 2022 Fokussierung auf die Arbeit als Schriftstellerin und bildende Künstlerin

Literatur

Preise&Nominierungen

2023 Österreichische Gesellschaft für Literatur, Writer in Residence, Casa Litterarum, (geplant für 2025)

2022 Arbeitsstipendium Illustration, Bilderbuch „Dori Dachs ist heute faul“, BMKOES

2022 Artist in Residence im Künstleratelier Paliano / Italien, Land Burgenland

2005 FM4 Wortlaut, Longlist (Top 3 %)

2000 Jugendkulturpreis des Landes Burgenland

1998 Förderungspreis der Burgenlandstiftung Theodor Kery, Bereich Literatur und Publizistik

1997 Förderungspreis des Jugendliteraturwettbewerbs des Landes Burgenland

Publikationen

Derzeit Verlagssuche für den Roman „Verleumdungen“ (gefördert durch das Land Burgenland) und das selbstillustrierte Bilderbuch „Dori Dachs ist heute faul“ (gefördert durch das BMKOES)

Monographien

„Aufbrechen“, Lyrik, edition lex liszt 12, 2020.

„Auf bittere Haut geschrieben“, Lyrik, edition lex liszt 12, 2013.

In herber Sprachharmonie verhandeln Katrin Bernhardts Gedichte das Thema Aufbrechen in verschiedenen Aspekten, beginnend mit der Sehnsucht nach einem anderen Leben, über das selbst- und fremdbestimmte Reisen, das Aufbrechen von Denkstrukturen, das Loslassen von Beziehungen bis hin zum Übertreten in eine andere Dimension. Nachdenklich und widerständig lässt Bernhardt dabei das Große, Politische im Kleinen, Alltäglichen sichtbar werden: die Fremdenfeindlichkeit beim Frühstück, die Leiden der Flucht im Klassenzimmer, die Entfremdung im öffentlichen Verkehrsmittel. Über all dem stehen Fragen, auf die es meist nur unangenehme Antworten gibt: Wieso haben wir es zugelassen, dass aus unseren großen Träumen so kleine wurden? Und wann ist es an der Zeit aufzubrechen?

Verbrenne meine Kleidung im Fluss / Wasche mein Gesicht im Feuer / Reinige mich von Unnötigem / Katharsis / In meinen löchrigen Schuhen / den Tag entlang / Die Zeit zeigt mir Zeichen / in einer Welt voller Plastikgeschirr

„Auf bittere Haut geschrieben“, Lyrik, edition lex liszt 12, 2013. Gedichte

Coverbild: Martina StapfArtikel-Nr.: 978-3-99016-182-1

18,00 €

https://shop.lexliszt12.at/lyrikprosa/24-aufbrechen.html

Weitere Veröffentlichungen:

„Die Gesichtslosen“, Erzählungen, Verlag Bibliothek der Provinz, 2000.

„Fluchtplan lebt nicht mehr“, Lyrik, Verlag Bibliothek der Provinz, 1998.

„Fallen ohne Aufprall“, Lyrik, Eigenverlag, 1995.

in Anthologien, Zeitschriften, im Rundfunk und Internet (Auswahl)

Literarisches Österreich. Zeitschrift des Österreichischen Schriftsteller/innenverbands, 2022, S. 12-18.

literaturhaus.at und literaturhausnö.at, Aktion „Stimmen gegen den Krieg“, 2022.

ORF, Radio Burgenland, Sendung Extra – Kunst und Kultur, 26.11.2020.

Poesiegalerie.at, mehrere Gedichte, 2020-2022.

R. Prosser, Ch: Szalay (Hrsg.), wo warn wir? ach ja: Junge Österreichische Gegenwartslyrik, Limbus, 2019.

Bibliothek deutschsprachiger Gedichte (Hrsg.), Ausgewählte Werke XXII, 2019.

ORF, Ö1, Nachtbilder, 2018.

Lichtungen – Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik Nr. 151/XXXVIII, 2017.

Landesschulrat Burgenland (Hrsg.), „Lesen ab 10. Gedankenplätze. Ein burgenländisches Lesebuch für Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe“, edition lex liszt 12, 2017.

Mitgliedschaften

PEN-Club Austria

Österreichischer Schriftsteller/innenverband

IG Autorinnen Autoren

Literar-Mechana

BILDENDE KUNST

Performances, Versuchsanordnungen und Installationen zu den Themenfeldern Ritual und Gender

Malerei in Misch- und Acryltechnik auf Leinwand, Leintuch und Papier

Preise&Nominierungen

2022 Förderpreis für Bildende Kunst, Land Burgenland, shortlist

2022 Compass Festival, Leeds / UK, shortlist (Top 30)

2021 Viertelfestival NÖ 2022, Projektförderung

Ausstellungen

11/2023 Interaktive Versuchsanordnung und Ausstellung „Das letzte Hemd hat viele Taschen“, Schloss Bad Fischau (in Planung)

06/2023 Ausstellung, Pumpenhaus, Thermalbad Bad Fischau-Brunn (in Planung)

2022 Förderpreis für Bildende Kunst 2022, Kulturzentrum Mattersburg

2022 NÖ Tage der Offenen Ateliers, Bad Fischau-Brunn (solo)

2022 „Das letzte Hemd hat viele Taschen“, Ziegelmuseum Ziersdorf (solo)

2022 „Finde die Frau“, Ordination Dr. Winhofer-Stöckl, Mattersburg (solo)

2022 „Lockdown“, FORUM Bad Fischau-Brunn, Schloss Fischau

2022 „Das letzte Hemd hat viele Taschen“, Schloss Jedenspeigen (solo)

2012 „Kunstspinne“, NN-fabrik, Oslip

2010 „schik IV – Family“, schikaneder, Wien

Mitgliedschaften

Bildrecht

Kulturvernetzung Niederösterreich

Musik

2004–2013 Gründungsmitglied, Sängerin und Texterin der Band Xenesthis

Zahlreiche Supportshows für internationale Acts, Festivalauftritte und Konzerte in Österreich (u. a. Hauptbühne des Nova Rock Festivals 2009), Deutschland, Slowenien, Italien

Reviews und Interviews in internationalen und nationalen Magazinen

Musikvideo “Reflections” mit über 286.000 views

Veröffentlichungen

2011 “Thou shalt not”, LP, Come Clean Records

2010 “Chaos”, EP

2007 “Sick of pitch-black”, LP, noiseheadrecords

2006 “Shades”, EP

2006 “Straight to Infinity”, EP

2005 “Immanis”, EP

Foto_privat

26.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com/

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