„Literatur hält fest, wer wir sind“ Zarah Weiss, Schriftstellerin _ Wien 18.9.2022

Liebe Zarah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im ersten Jahr der Pandemie hat sich in London ein Writers‘ Salon gebildet – eine große Gruppe von Schreibenden und Kunstschaffenden trifft sich online, bis zu viermal am Tag, für je eine Stunde, meist über hundert Menschen aus aller Welt. Ich hätte nicht gedacht, dass es etwas für mich ist, aber dieses gemeinsame leise Arbeiten, mit einem inspirierenden Zitat am Anfang und einem Austausch über die Projekte in den Chats hilft mir sehr, dem Schreiben so viel Raum zu geben wie möglich – ich kann es nur empfehlen!

Zarah Weiss, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zuhören und immer weiter lernen. Offen sein, die eigenen Grenzen kennenlernen, sich engagieren. Immer wieder Energie suchen, nach Geschichten Ausschau halten, staunen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Empathie zu schaffen. Literatur und Kunst vermögen vielleicht oft nur im kleinen Raum verändern, aber sie prägen uns doch in allem, was wir sind und sie halten vor allem fest, wer wir sind und in welcher Welt wir uns bewegen. Der Breaking-Bad-Hauptdarsteller Bryan Cranston schreibt in seiner Autobiografie: „Storytelling is the essential human art. It’s how we understand who we are.“ Und das führt zu Empathie: Durch Geschichten sehen wir unsere Komplexität, unsere Schatten, unsere Wünsche und Gefühle, unsere Vielfältigkeit und Diversität. Und verändern vielleicht doch etwas.

Was liest Du derzeit?

„Notes of a Native Son” von James Baldwin

Und immer wieder greife ich für einige kleine Ausschnitte nach Maggie Nelsons „Bluets“ und Rainer Maria Rilkes „Briefe an einen jungen Dichter“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Do stuff. Be clenched, curious. Not waiting for inspiration’s shove or society’s kiss on your forehead. Pay attention. It’s all about paying attention. Attention is vitality. It connects you with others. It makes you eager.”

– Susan Sontag, Vassar College Commencement Speech (2003)

Vielen Dank für das Interview liebe Zarah, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Zarah Weiss, Schriftstellerin

https://www.zarahweiss.com/

Foto_Paulina Weiss

18.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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