„Ein wenig mehr Stille, Vernunft und weniger Geschrei täte der Welt gut“ Isolde Schmitz, Künstlerin_ Weinähr/D 31.12.2021

Liebe Isolde, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meist wache ich sehr zeitig auf und seit ich eine kleine OP hatte, habe ich mir tatsächlich angewöhnt, mit dem iPad im Bett zu frühstücken. Inzwischen schaffe ich das fast ohne Krümel … Dort lese ich dann meine Nachrichten auf den Sozialen Netzwerken und schaue, was sonst noch so in der Welt passiert ist.

Danach mache ich Frühstück für meinen Sohn und bin für ihn da, bis er auf dem Schulweg ist. Tagsüber lerne ich und versuche Ideen für meine Selbstständigkeit im Bereich Grafik-Design und mein Portfolio zu entwickeln, an meiner Webseite zu arbeiten – und im besten Fall schaffe ich etwas Kunst. Vielleicht sollte ich die Reihenfolge umkehren? Ich glaube, das ist eine gute Idee. Manchmal nehme ich mir zu viel auf einmal vor und dann schaffe ich im schlechtesten Fall gar nichts…

Bis ich damit fertig bin, ist meist schon Nachmittag, dann muss ich ein wenig haushalten, Kochen für meinen Sohn, wenn er aus der Schule kommt und gemeinsam laufen wir dann mit unseren Hunden. Falls ich abends nicht zu müde bin, mache ich das gleiche wie morgens …

Isolde Schmitz, Künstlerin, Grafik-Designerin

Ich bin sehr froh, dass ich im Moment die Möglichkeit habe, meinen Tag, meine Zeit, meine Arbeit, so zu gestalten. Doch ich habe große Existenzangst, was die Zukunft betrifft, die mich allzu oft lähmt.

2020 habe ich meinen freiberuflichen Weg in die Kunst und in die Selbstständigkeit begonnen, ermutigt von ein paar Menschen, denen ich sehr dankbar dafür bin. Es freut mich, wenn Menschen das berührt, was ich mache. Wohin genau mich dieser Weg führt – ich weiß es nicht. Bis jetzt kann ich nicht davon leben und ich bin ganz am Anfang mit meinem Schaffen. Auf jeden Fall ist es ein Aufbruch.


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ein wenig mehr Stille, Vernunft und weniger Geschrei täte der Welt gut. Wahre
Freiheit liegt ohnehin in uns selbst.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Während der letzten Zeit haben sich interessante neue Tendenzen sowohl auf dem Kunstmarkt selbst entwickelt als auch in der Zusammenarbeit und im Austausch zwischen den Künstlern. Virtuell und online haben sich bisher nicht gekannte oder weniger genutzte Möglichkeiten aufgetan. Zum Beispiel das Thema NFT ist sehr spannend, ob man das mag oder nicht. Kunst ist zugänglicher geworden, finde ich. Eine für mich sehr schöne Möglichkeit ist das Zeichnen nach Modell per Zoom Meeting – zusammen mit Menschen aus verschiedensten Teilen der Welt. Sozusagen Kunstmomente, die verbinden.

Über Kunst im allgemeinen ist schon so viel gesagt und geschrieben worden. Für mich ist es in erster Linie die Auseinandersetzung mit meinem eigenen Dasein. Sie schafft Harmonie und Ästhetik oder rüttelt auf, schafft Chaos oder Ordnung, lenkt die Gedanken und schenkt neue Blickwinkel … inspiriert und tröstet. Manchmal lässt sie zweifeln. Bisweilen hilft sie, der Wirklichkeit zu entfliehen und in andere Welten zu tauchen. Rückzug und Konzentration. Wahrnehmung vor allem – Wahrnehmung der Welt und der Menschen.


Was liest Du derzeit?

Früher habe ich mehr gelesen – die letzten Jahre hat mich meine eigene Geschichte davon abgehalten, zum Beispiel Romane zu lesen. Was ich sehr mag, ist Prosa und Lyrik. Ansonsten Fachbücher und Bücher über Kunst. Angefangen habe ich Kurzgeschichten zu lesen – „Skandalös – Das Leben freier Frauen“ von Cristina de Stefano. Das ist sehr berührend. Demnächst möchte ich „Das Zeitalter des Lebendigen“ von Corine Pelluchon lesen. Ein ganz wichtiger Denkansatz für mich.


Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Wenn ich es in Worten sagen könnte, gäbe es keinen Grund zu malen.” Edward Hopper – das kann ich gut nachempfinden. Andererseits finde ich genau diese Verbindung – die Symbiose zwischen Wort und Bild, sehr spannend. Das Leben ist voller Widersprüche und es wichtig, Licht und Schatten zu sehen. Und die Zwischentöne. In allen Dingen des Lebens.

Vielen Dank für das Interview liebe Isolde, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Isolde Schmitz, Künstlerin, Grafik-Designerin

Foto_privat.

28.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Ein Gedanke zu „„Ein wenig mehr Stille, Vernunft und weniger Geschrei täte der Welt gut“ Isolde Schmitz, Künstlerin_ Weinähr/D 31.12.2021

  1. Das mit dem Non-Fungible Token versteh ich nicht. Wenn man dadurch erfährt, wer ursprünglich dahinter steckt finde ich es begrüßenswert. Wenn es bedeutet, dass man das Kunstwerk nicht kopieren kann, finde ich es schade, weil es die Kunst wieder unzugänglich macht. Frohes Neues Jahr auch Dir ! Stimmt, weniger Geschrei täte der Welt gut !

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