„Das Theater ist ein Ort für unsere Probleme, Ängste, Wünsche und Hoffnungen“ Christiani Wetter, Schauspielerin_Wien 27.2.2021

Liebe Christiani, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf ist eigentlich sehr durchgetaktet. Am Morgen bringe ich meinen Sohn in den Kindergarten und dann arbeite ich meine Projekte nacheinander ab. Als Schauspielerin sind mir leider seit fast einem Jahr sehr viele Projekte abgesagt oder verschoben worden, was sehr zermürbend ist. Zum Glück habe ich noch ein zweites Standbein als Drehbuchautorin. Schreiben kann man von überall und dazu brauche ich nicht zwingend menschlichen Kontakt. Deshalb sitze ich sehr viel an meinem Schreibtisch und beende Konzepte, Auftragsarbeiten und kreative Eigenwerke.

Christiani Wetter, Schauspielerin

Ansonsten versuche ich so oft wie möglich draußen an der frischen Luft zu sein, um nicht durchzudrehen ab der zwangsläufig viel verbrachten Zeit zuhause. Mit meinem Sohn ist dann nachmittags der nahegelegene Spielplatz ein Domizil, welches wir täglich ansteuern. Abends wird etwas Gesundes gekocht oder etwas weniger Gesundes, aber glücklich machendes, von einem Gastronomiebetrieb in der Nähe bestellt.

Am späten Abend versuche ich mir eine interessante Doku oder ein cineastisches Meisterwerk anzusehen, welches ich die letzten Jahre verpasst habe mir anzuschauen. Ich weiß nicht wie ich das schaffe, aber sehr oft drifte ich dann doch zu leichterer Kost ab und lande bei einer leicht verdaulichen Serie oder gar Trash TV. Aber hey, der Wille zur ARTE-Dokumentation steht jeden Abend wieder aufs Neue auf dem Plan.

Christiani Wetter_ Schauspielerin, Moderatorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Pauschal kann ich das nicht beantworten. Bei mir verschiebt sich die Wertigkeit der wichtigen Punkte von Lockdown zu Lockdown. Gerade ist es mir wichtig, nicht in Panik zu verfallen und das Vertrauen nicht zu verlieren, dass sich in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft mein Alltag wieder einpendeln, meine Projekte zurückkommen, die finanzielle Stabilität nicht wie ein Damoklesschwert über uns Künstler*innen hängen und das soziale Leben wieder zu einer Normalität zurückfinden wird.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

In der Kunst- und Kulturlandschaft und insbesondere im Theater, wünsche ich mir, dass diese erzwungene Pause durch die Pandemie dazu genutzt wurde, um ein Umdenken anzustoßen, zum Beispiel in der Besetzung der Ensembles oder der anvisierten Stückauswahl. Ich wünsche mir, dass die Ensembles diverser werden und die Theaterstücke öfters die relevanten Themen der Gegenwart behandeln bzw. die Theaterleitungen sich vermehrt für Stoffe entscheiden, die sich mit den Problemen, Ängsten, Wünschen, Hoffnungen und Nöten der heutigen Generationen auseinandersetzen. Denn: Wir sind nicht nur eine heteronormative Gruppe von lauter weißen Cis-Gender Menschen. Ganz und gar nicht. Und diese Pluralität sollte sich sowohl in der Besetzung auf der Bühne oder vor der Kamera, als auch in Theater- und Drehbuchtexten widerspiegeln.

Was liest Du derzeit?

Nachdem ich mein Fernstudium in Philosophie das ganze letzte Jahrzehnt mit mir herumgetragen habe wie einen leidigen Rucksack, habe ich nun beschlossen dieses Kapitel endlich abzuschließen und meine Abschlussarbeit zu schreiben. Daher lese ich gerade sehr viel trockene Sachliteratur, aber auch sehr beglückende und gewinnbringende Literatur zu meinem Wunschthema.

Nachdem ich mein Fernstudium in Philosophie das ganze letzte Jahrzehnt mit mir herumgetragen habe wie einen leidigen Rucksack, habe ich nun beschlossen dieses Kapitel endlich abzuschließen und meine Abschlussarbeit zu schreiben. Daher lese ich gerade sehr viel trockene Sachliteratur, aber auch sehr beglückende und gewinnbringende Literatur zu meinem Wunschthema.

Zum Ausgleich lese ich leicht verständliche Alltagsphilosophie der Philosophin und Autorin Ariadne von Schirach, die mit „Du sollst nicht funktionieren“, „Ich und Du und Müllers Kuh“ oder auch „Die psychotische Gesellschaft: Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden“, meiner Meinung nach genau den Zeitgeist trifft und mir mit ihren Werken schon oft Aha-Momente verschafft hat.

Die meist gelesenen Bücher momentan sind allerdings literarische Werke über Bagger und Baustellen, welche mir mein Sohn liebevoll aufzwingt circa tausend Male hintereinander zu lesen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Was ich mir selbst oft sage: „Alles ist stets im Wandel und nichts ist von Dauer oder in Stein gemeißelt. Das ganze Leben ist ein Prozess der Veränderung. So auch diese Gegenwart, das Gute wie das Schlechte. “

Lucia Litman:

 „There is more than one way to get where you are going.“

“You can`t go back and change the beginning, but you can start where you are and change the ending.”

Christiani Wetter, Schauspielerin, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Christiani, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christiani Wetter, Schauspielerin, Schriftstellerin

christianiwetter.com

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Hotel Kempinski Palais Hansen _ Wien 19.2.2021

9.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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